Manchmal….


*seufz*

Bundeswehr. Für mich ein Thema, das…schwierig ist. Ich bin nach wie vor gegen alle Auslandseinsätze – brauchmer nich, kriegen wir nicht mehr rein. Wieso sollten wir wieder Krieg führen? Und komm mir bitte keiner mit „Deutschland wird am Hindukusch verteidigt“. Für die Kandidaten poliere ich auch gerne meine Motorradstiefel auf Hochglanz, damit ich dann ordentlich zutreten kann.

Aber, ich mein, hallo? Die Bundeswehr is nu mal Realität in diesem unseren Lande. Sie ist vorhanden und wird grad unter großen Schwierigkeiten in eine Freiwilligenarmee umgebaut.

Und da passieren wohl ein paar echte Brüller. Ich mein, was erwarte ich, wenn ich mich zur Bundeswehr melde?

Um es mit der Schneewalze zu sagen: Frühstück ans Bett, Kuscheltier vom Feldwebel persönlich gereicht? Betthupferl? Schriftliche Einladung auf handgeschöpftem Büttenpapier zur gemeinsamen Sause in Afghanistan?

Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass die Leute, die sich in diesem Artikel hier beschweren, mit Fug und Recht ausgelacht werden können.

Ich zitiere:

„Wir sind morgens vor 5 Uhr geweckt worden und waren erst um 23 Uhr im Bett. Und man musste immer bereit sein.“ Bei einem nächtlichen Alarm hätten sie raus zu einem Marsch müssen, so Scheers. Seine Kameraden und er hätten nie komplett abschalten können.

Ob der gerafft hat, dass der bei der Bundeswehr ist und nicht im 4-Sterne-Hotel?

Der sollte Weichflötist bei der Watteerzeugungsfabrik Dr. Sanftmeier und Söhne werden. Arbeitszeit geregelt, bitte von 7 – 12 und von 15 – 17 Uhr. Und nicht anbrüllen, bitte. Das schadet den Nerven

Veröffentlicht am 23. Juli 2011, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 20 Kommentare.

  1. Das hat denen bestimmt einer vorher versprochen 😀

  2. Ja – das ist lustig!
    Ich erinnere mich an meine Grundausbildung (01/1990-03/1990), das war kein Zuckerschlecken – Betthupferl gab’s damals™ noch nicht – aber verglichen mit der Arbeit auf dem Bau oder bei ’nem Schausteller war das „Babykacke“.
    Es nervt schon, wenn man dauernd tun muss, was einem andere sagen, aber hey, das hat’s im Zivilleben auch (nennt sich nur anders), zumal der Ton doch recht rau erscheint. Und das man während der Grundausbildung mal früher raus muss (Nachtalarme hatten wir gg. 02:00h, Anm. d. Red) ist doch normal.
    Richtig schlimm war aber eigentlich nur dieses beknackte „Marschieren zu Fuß“ – ich hasse es, 20, 25 oder noch mehr Kilometer zu Fuß zurückzulegen, mit etwa 12 kg Gepäck auf dem Rücken und ’ner Waffe vor dem Körper. Vor allem da ich nicht freiwillig da war. Das hat mich echt fertig gemacht, vor allem wenn man nachts um 02:30h losläuft (s.o.)
    Bloß kann ich den Weicheiern vom Freiwilligendienst nur zurufen, dass man sich vorher informieren kann! Und wer das nicht tut, ist dämlich und selbst schuld! Wer mal in Ausbildung war oder in den Sommerferien beim Bau oder so gearbeitet hat, der kennt das „Rumgeschreie“, die Lauferei und Plackerei.
    Aber nein, „Herr Hauptmann! Der doofe Feldwebel hat mich angeschrien.“ oder „IIIIIIIIHHHHHH – draußen isses aber nass!“ oder „Boa – ich konnt gar nicht ausschlafen!“ oder „Nenene – das Gepäck ist doch so schwer.“ oder „Dieser Stress – ich kann da gar nicht ausspannen.“

    Lä-cher-lich!

  3. Die sollnsema in die Grande Armée schicken, dann wissen die auch, was ein Schinder ist. Wer bei den Franzosen ohne Seelenknacks aus der Ausbildung rauskommt, hat Nerven genug, daß der Gegner das Weiße in seinen Augen zu sehen kriegt.

    Und noch n Zitat, weils grad paßt:
    Ein Mädchen, das einen Soldaten heiratet, macht nie eine schlechte Partie. Ein Soldat versteht zu kochen, kann nähen, muss gesund sein. Und das Wichtigste: Er ist unbedingt daran gewöhnt, zu gehorchen.
    Charles de Gaulle

    Das „unbedingt“ ist in den französischen Streitkräften wörtlich zu nehmen!

  4. Nun gut, die Bundeswehr ist und war ja (seit Anfang an ?) offziziell zumindest eine Innere-Führungs-Armee, sollte sie auch zu meiner Zeit ®, die ich als nicht anerkannter Kriegdienstverweigerer nicht ganz freiwillig bei dem Verein verbracht habe, schon gewesen sein. Praxis und Theorie haben da zwar schon immer etwast auseinandergeklafft, aber Schinden und menschenverachtende Behandlung hätten EIGENTLICH nie vorkommen dürfen, auch der Kadavergehorsam wurde durch das Soldatebngesetz deutlich eingeschränkt. Befehle sind zwar zu befolgen, solche, die ein Verbrechen oder Vergehen bedeuten würden, DÜRFEN aber nicht nicht befolgt werden, und Vorgesetzten, die solche Befehle geben, drohen, theoretisch zumindest, strengste Sanktionen. Man hat sich da bewusst von Amerikanern, Franzoden und Briten abgesetzt.

    Allerdings kann man die beschriebenen und bemängelten Sachen kaum als das bezeichnen, was hier verhindert werden sollte. Wer sich über solche Dinge beschwert, hat wirklich Sinn und Zweck einer Armee nicht begriffen. Dass im Ernstfall, für den ja immerhin während der Ausbildung geübt wird (was denn sonst?) niemand vor einem Angriff jeglicher Art vorher mal vorsichtig anfragen wird, ob denn der Genner grad Zeit hat oder sich lieber noch ein wenig ausruhen und abschalten möchte, weil grad ein lustiger Film auf Sat1 kommt, sollte eigentlich auch die letzte Dummbratze begreifen können. Wenn man die BW tatsächlich zur Freiwilligenarmee mit reduziertem Personalstand umbauen will, was ich persönlich jetzt nicht sooo schlecht finde, wird man, damit das funkioniert, darauf angewiesen sein, dass diejenigen, die man nun schon mal einstellt, auch einigermaßen engagiert zur Sache stehen und mental und köperlich geeignet sind oder zumindest Anlass zu der Annahme geben können, dass sie es im Verlauf der Aubildung noch werden. In diesem Zusammenhang wäre vielleicht eine Probezeit von einigen Wochen angebracht, nach der man die nicht geeigneten oder diejenigen, denen das Ganze zu unsanft erscheint, wieder freundlich aber bestimmt verabschiedet.

    • Probezeit: Genau das hat dieser Kurzzeitrekrut ja auch ausgenutzt. Die Bundeswehr läßt die Leute in den ersten Monaten noch wieder gehen – allerdings sollen sie begründen, warum sie nicht bleiben. Stichwort Qualitätssicherung oder so. (Hab ich aus dem Artikel, den Tante Jay verlinkt hat.)

      • Asche auf mein Haupt, ich gebe zu, ich hab das nicht gelesen. Und Kaffe hatte ich auch noch nicht gehabt, daher die Textruine.

        „Blackborn-City“ also, beie Jägers, was für ein Zufall, meine Einheit in 76/77. Die war schon damals etwas berüchtigt, aber ich nehme an, die Baracken dürften mittlerweile durch was Haltbares ersetzt worden sein.

        Probezeit verstand ich auf Gegenseitigkeit also auch „Kündigungsmöglichkeit“ von Seiten des Dienstherrn, bei offensichtlicher Nichteignung wg. merkwürdiger Vorstellungen vom Soldatendasein. Die Eignungstests vorher sind ja eher an anderen Dingen ausgerichtet, und ob der/die KanditatIn auch mental geeignet ist, findet man eher nach den ersten Stresstests heraus

        • 2000/2001 waren die Barracken noch da und wurden teilweise auch noch genutzt. Mein Zug war die ersten 4 Monate oder so darin untergebracht, wir zogen erst später zur restlichen Kompanie ins „Haupthaus“
          Zu dem Zeitpunkt waren das auch keine Jäger, wir waren als Grenies dort

          • In den 70ern war’s offziell ein Jägerbataillon. Die 1. waren auch tatsächlich welche, der Rest machte Grundausbildung. Grundausbildung in der Gegend ist zwar sicher kein Wellnessurlaub aber auch nicht unbedingt die allerhöchste physische und psychische Herausforderung. Wer sich freiwillig für den Laden entscheidet (muss halt jeder selber wissen, freiwillig täte ich es nicht nochmal, aber aus anderen Gründen), der sollte das auch unbeschadet überstehen können.

  5. Jetzt weiß ich endlich, warum unsere Studis manchmal solche Jammerlappen sind…
    Als Frau hatte ich natürlich nie Wehrdienst, kenne das alles also nur aus Erzählungen – durchaus auch von Frauen, die sich als Zeitsoldaten verpflichtet hatten. Und das, was dieser Abbrecher hier reklamiert, sehe ich jetzt auch nicht so wirklich als diskriminierend oder was auch immer.

  6. „.. Arbeitszeit geregelt, bitte von 7 – 12 und von 15 – 17 Uhr ..“
    der erste Teil ist zu lang, da muss noch eine Frühstückspause mit rein 😉
    ich kann’s auch nicht verstehen, mit welchen Vorstellungen diese Leute „zum Bund“ gegangen sind. Eigentlich ist es doch üblich (war’s zumindest „zu meiner Zeit“), sich vor Berufsantritt zu informieren, ist im Zeitalter des Internets noch leichter, aber ein Besuch am angedachten Arbeitsplatz ist sicherlich sinnvoll.
    Seltsame Zeiten 😦

  7. Oh, mann. Eigentlich müßte doch auch jedem 18/19 jährigem bekannt sein das die Bundeswehr kein zuckerschlecken ist. Glauben die wirklich, bloß weil man sich jetzt freiwillig melden soll hätte sich da was geändert? Wie kann man nur so naiv sein. Immerhin bilden die für etwaige Einsätze wie z.B. Afghanistan aus. Daran hat sich doch glaube ich nicht wirklich was geändert.

  8. Habe 1989 meinen Wehrdienst (West) zwangsweise abgeleistet und in den 3 Monaten in der Grundausbildung ca. 12 kg abgenommen. Richtige Schleiferei halt. Weiß man aber vorher, oder?
    Immerhin lernte ich in fast allen Lagen zu schlafen. Und glauben die “Freiwilligen” heutzutage dass sie jetzt etwa eine Sonderbehandlung bekommen und täglich nur 8 Stunden “arbeiten”?
    Soldat mit Stechuhr, ich habe da gerade ganz doofe Bilder vor Augen.

    • Welch eine Vorstellung!

      Und ab 15 min drübber gilt’s als volle Überstunde!
      Und Samstags und Sonntags frei!
      Und Marsch zu Fuß gilt als extra Belastung und wird zu hundert Prozent in Freizeit abgegolten!
      Marsch zu Fuß mit Gepäck, ABC-Schutzausrüstung und Gewehr, in Uniform mit Stiefeln ist nur zumutbar nach eingehender Befragung und psycholoscher Beratung. Und wird selbstverständlich dreifach bewertet.
      Und vor dem Betreten der Stube hat der Uffz gefälligst anzuklopfen.
      Und Anschreien ist schonmal gar nicht drin!
      Befohlen wird nicht mehr, nur noch höflich nachgefragt.
      Über 36er mit Biwak oder gar längere Übungen außerhalb des Standortes werden vorher durch geheime, freie und gleiche Wahlen befunden.

      OK – aber ’ne Armee wär‘ das nicht mehr und dann könnte man sich das Ganze auch komplett schenken – denke ich 😉

      • Wieso schenken. Wenn man den Phantasien der Militärstrategen glauben schenken darf, und manche Selbstdarstellung der Armeen geht schon eindeutig in diese Richtung, werden zukünftige Soldaten mit dem direkt fließenden Blutt immer weniger zu tun haben und die Standorte werden auch im Kriegsfall nicht mehr verlassen. Man sitzt gemütlich mit ’ner Tasskaff in der einen und dem Joystick in der anderen Hand am Monitor bzw. hat die Datenbrille auf und steuert Kampfroboter oder Drohnen entweder gegen gleichartiges gegnerisches Gerät oder Pimitivkrieger, die meinen unbedingt noch mit manuellem Knallbum ballern zu müssen. Nach 6 Stunden WOW kommt die Ablösung, der man gerade noch erklärt, was als nächstes eleminiert werden muss, und wo die nächste Drohne parkt.
        Klingt zynisch, aber für einige Amis, die von zu Hause aus die Drohnen in Afghanistan fliegen, ist das schon Realität. Wozu sollte man für einen solchen hightech Job sich vorher noch in der Grundi durch den Schlamm robben?

        • Kall, gibbet sowas nicht eh schon?
          Irgendwelche Medien wiesen doch schon darauf hin dass die US-Army angeblich Kriegsspiele mitentwickelt bzw. finanziert.
          Und diverse gestörte Gestalten sind dann halt nur „colleteral damage“.
          (Das Huhn, das Ei, ich bin es, kall).

  9. Liebes Tantchen, das mit dem Stiefel-Polieren würd‘ ich mir noch überlegen: wenn da noch so’n paar „Krümel“ dranhängen, tut’s besonders weh 😉

  10. Zitiat aus dem Artikel: „Zur Zeit geht’s da unten ja richtig zur Sache. Manche kommen zurück und haben psychische Schäden. Das ist alles nicht so einfach.“
    Ja, und stellt Euch vor, manche kommen gar nicht zurück. Da hat es der zitierte Rekrut doch um einiges besser. Er mußte für die psychischen Schäden gar nicht erst nach Afghanistan fahren.
    *kopfschüttel* Chatwoman

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