Märchenhaftes


Es war einmal vor langer Zeit, dass die Menschen unglücklich waren. Viele waren nicht mehr in der Lage, ihr tägliches Brot zu kaufen, ihre Kinder sahen verwahrlost aus, weil sie trotz teilweise harter Arbeit nicht mehr genug Geld hatten, um sie anständig zu kleiden.

Da die Kinder auch immer Hunger hatten, wurden sie in der Schule verköstigt. So hatten sie in all dem Elend wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag.

Für die Reichen galt das alles nicht. Sie hatten genügend zu Essen und waren der Meinung, dass die Menschen arm sind, weil sie nicht fleißig genug waren, um Geld zu verdienen.

Eines Tages kam jemand, der den Armen versprach, die Armut zu lindern. Den Kindern wieder zu essen zu geben und sie anständig zu kleiden. Und er versprach, den Männern, die keine Arbeit hatten, wieder Arbeit zu geben, so dass wieder jeder für seine Familie sorgen könne.

Und das tat er. Er kleidete die Armen – aber nicht alle. Er versorgte die Männer mit Arbeit – aber nicht alle. Einen Teil der Menschen klassifizierte er als „böse“, als „lebensunwert“. Auch einige Kinder waren für ihn „lebensunwert“, weil sie Gebrechen hatten, die sie anders aussehen ließen. Und er ließ sie töten. Gnadenlos. Denn für ihn waren es keine Menschen.

Doch der Mann wollte, obwohl er selbst klein und hässlich war, Herrscher über ein Volk von großgewachsenen, schönen Menschen sein.

Er gab den Männern Arbeit: In der Armee. Er baute neue Straßen und ein neues Land. Doch als die ersten Panzer rollten und ein hilfloses Land überfielen, war es zu spät, noch etwas zu ändern.

Und die Welt stand in Flammen. Und am Ende blieb nur Trauer, Elend und Verzweiflung.

Und die Kinder fragten ihre Eltern: „Wie konnte das passieren, habt ihr nichts bemerkt?“

Und die Eltern antworteten, wenn sie ehrlich waren: „Nein, wir wussten zwar, das nicht alles in Ordnung war, aber DAS hätten wir nie erwartet.“

Und die Kinder verstanden nicht, wie es passieren konnte, dass so viele Menschen so furchtbaren Qualen ausgesetzt wurden. Die Erklärungen der Eltern befriedigten sie nicht.

Und sie rebellierten gegen die Generation der Eltern. Und wurden erschossen, in Gefängnisse gesperrt und als Gefahr für die Ruhe und den Frieden angesehen, den man sich doch so sehr verdient hatte.

Die Rebellen wurden älter und sahen, dass man das System nicht ändern könnte. Die Eltern hatten gewonnen, wieder wurden Menschen getötet im Namen dessen, der die Welt zerbrochen hatte.

Wieder beriefen sich Menschen darauf, dass bestimmte Menschen wertlos seien und man sie töten könne.

Und wieder gewannen sie heimlich an Macht. Und wieder regierte die Angst.

Denn das ist es, was sie antreibt: Angst. Und wer Angst hat, der schlägt zu. Je mehr Angst jemand hat, je mehr er nicht weiß, was aus „seinem“ Land wird, je mehr er im Stich gelassen wird von einer Gesellschaft, in der er nicht mehr weiß, wo sein Platz ist – umso ängstlicher wird er werden.

Und umso härter zuschlagen.

Mehr als 80 Jahre sind vergangen.

Und wir sind wieder da, wo alles begann.

—-

Ja, alle Nazis, oder die, die sich dafür halten, sind ein großer Haufen Angsthasen, die das, was sie fürchten, töten müssen, weil sie sich sonst nicht sicher fühlen können.

Wer Nazis bekämpfen möchte, muss Alternativen bieten. Der muss den Menschen die Existenzängste nehmen, die sie haben, ob nun berechtigt oder nicht. Erst wenn die Politik das begreift und wenn sie die Rechten endlich als die Gefahr wahrnehmen, die sie nun mal sind, wird der Wahnsinn vielleicht endlich aufhören.

Und Charlie Chaplin – aktueller als je.

Veröffentlicht am 26. Januar 2012, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Eigentlich haben wir alle die gleichen Bedürfnisse. Essen, Trinken, etwas, um unsere Blöße zu bedecken und zum Warmhalten, ein Dach über dem Kopf, etwas Schutz und viel Liebe. Ich mach da nicht mit, meinen Nachbarn, Freund, Bruder, usw. zu verunglimpfen, bloß weil er anders ist als ich. Auch er oder sie hat die gleichen Bedürfnisse. Ich lass mich nicht benutzen, von niemand. Und meine Söhne und Töchter sind kein Kanonenfutter. Ich lasse sie nicht vor fremder Leute Karren spannen. Dazu habe ich sie nicht geboren und groß gezogen.

  2. Wahre Worte – leider permanent aktuell. Engstirnige, verbohrte, angstzerfressene Dumpfbacken die sich nur in ihrem eigenen geistigen Dreck wälzen können. Für diese Kreaturen ist der oft bemühte Tellerrand so weit weg, wie für andere Leute das Zentrum der Galaxis. Deswegen werden sie auch nie darüber hinweg blicken können. Welche Partei bzw. Politiker sollen sie dahingehend überzeugen, dass ihr Weg der komplett falsche ist. Der auch nicht gerade sauber agierende oberste Grüßaugust und seine Konsorten? Die Ex-SEDler? Die alles ignorierende und aussitzende oberste Mutti in Berlin? In diesem, unseren Lande gehen die fähigen Leute doch nicht in die Politik. Nazis leben in ihrem eigenen, ignoranten Umfeld und vermehren sich prächtig. Somit werden wie sie auch nie los werden. Vor allem, wenn man offensichtlich verfassungsfeindliche Parteien nicht einmal verbieten kann, weil unsere „Verfassungswächter“ selbst allzu gerne in diesem Umfeld agieren. Oder wie soll ich mir die andauernde Diskussion um die oft zitierten V-Leute sonst erklären. Hat dieses Schauspiel jemals etwas produktives eingebracht? Das aus diesem Grund die NPD nicht verboten werden kann – na klar! Die spielen doch anscheinend nur zu gerne mit ihren KAMERADEN. Letztlich bleibt es wie immer am engagierten „Normalbürger“ hängen, der sich in seinem Umfeld gegen die Braunen wehrt. Allenfalls setzt sich die kommunale Politik ernsthaft ein, aber die Landesfürsten oder gar die „Elite“ in Berlin? Da lach ich ja drüber! Als ob die Menschheit nicht auch noch anderswo Probleme genug hätte. Die nötige Energie um sie zu bekämpfen, könnte anderweitig besser eingesetzt werden. Aber leider ist das ja nicht nur in diesem Fall so… *GRMPF*

  3. das Chaplin-Video sollte man allen Politikern (m/w) täglich vorspielen, immer und immer wieder (gern auch in synchronisierter Variante – für die Globalen mit Halbwegs-Kenntnis nur einer Sprache)
    .. aber: es war nur ein Traum, erkennbar an „des Führers“ Frisur (wie sagt die weise alte Tante Volksmund: „krause Haare, krauser Sinn.“ .. oder ist’s gar umgekehrt? 😦 )

  4. Einen gewissen Satz von Extremisten, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung umstürzen wollen, gibt es immer.
    Und das Geschäft mit der Angst läuft rechts wie links. Das läuft letztlich sogar in der Mitte. Die Konservativen haben Hitler unterstützt aus Angst vor den Kommunisten…
    Und: Stalin steht Hitler in nichts nach. Außer daß er keinen Krieg verloren hat. Judensäuberung, KZ (Gulag), … alles kein Einzelfall. Sondern Gewohnheit, wo Radikalisten am Ruder sind.

    • Ich behaupte, dass es nicht mal politisch Radikale sein müssen, denn das was die Europäer in ihren Kolonien gemacht haben, darf man in vielen Fällen ganz sicher auch als Völkermord bezeichnen; genannt seien hier nur als Beispiel Deutsch Südwestafrika und Belgisch Kongo, wobei ich betonen möchte, dass mir von den anderen derzeit lediglich keine einfallen, es gibt aber ganz sicher auch für Engländer, Franzosen, Spanier, Holländer, Portugiesen, Russen, Österreicher, … ähnliche Vorfälle.

      Und was die Angst angeht, bliebt es alles ganz anders, denn schon früher wurden Ängste, echte oder eingepflanzte, dazu genutzt, die Bevölkerung mit Hilfe von Gestzen und Verordnungen unter Kontrolle zu halten. Und gegen das, was heute möglich ist und getan wird, sind die Denunzianten und Spitzel früherer Jahrhunderte ein echter Sch…dreck.

      Am besten funktioniert übrigens immer die Angst vor den Ausländern, den Umstürzlern (linksradikal) und den bösen Nachbarn (in Europa). Das halte ich für einen der Gründe, aus denen gegen die rechtsradikale Szene eher wenig unternommen wird.

      Aber ich kann mich da auch irren…

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