Bah


Ich kann ja doch nicht schlafen, bevor ich das nicht runtergeschrieben hab. Also, here we go….

Kleine Kurzgeschichte 😉

Die Lehrerin klopfte mit dem Lineal auf ihren Tisch. Die Kinder in der Dorfschule, die  die letzten 30 min. lesend verbracht hatten, merkten auf. Der alte Schulhund, mottenzerfressen und mit weißer Schnauze, spitzte im Schlaf die Ohren.

„Wir sind fertig für heute. Wollt ihr noch eine Geschichte hören, bevor ihr nach Hause geht?“

Die Kinder strahlten und jubelten. Die Lehrerin lächelte und zeigte auf den freien Platz vor dem Tisch. Sie stellte ihren Stuhl dort hin und beobachtete, wie die Kinder auf den Platz zustürmten und sich hinsetzten. Sie fielen wie junge Welpen übereinander und durcheinander, doch letztlich hatten alle ihren Platz gefunden.

Ein Mädchen drehte sich zu dem alten Hund um und pfiff scharf. Die Lehrerin tadelte sie sofort: „Musst du denn so einen Krach machen?“ Der Hund schien ihr zuzustimmen, als er ein Auge öffnete, das Kind beobachtete und das Auge langsam wieder schloß, als ihm klarwurde, dass keine Leckereien zu erwarten waren.

Das Kind seufzte, stand auf und lief zu dem alten Hund hin. „Komm mit. Du hörst die Geschichten doch auch gerne.“ Die Lehrerin dachte bei sich, dass es wohl eher die Stimmen waren, die der Hund gerne hörte, aber sie ließ dem Kind seinen willen, als es den Hund mit in den Kreis der Kinder zog und zerrte. Der Hund wehrte sich ein wenig, gab aber letztlich nach. Als das Kind sich setzte, legte auch er sich seufzend hin, legte den Kopf auf seine Pfoten und schloß wieder die Augen. Das Kind kuschelte sich an den warmen Pelz des alten Hundes und blickte die Lehrerin erwartungsvoll an.

Die anderen Kinder sahen das und wieder fühlte sich die Lehrerin an Welpen erinnert, als alle Kinder plötzlich den Hund als Kissen nutzen wollten. Ein Junge war besonders wild und trat dem Mädchen auf die Hände. Das Kind nahm wutentbrannt eins ihrer Bücher und schlug es dem Jungen auf den Kopf.

Die Lehrerin griff ein. „Setzt euch, Kinder und keine Streitereien, sonst müsst ihr ohne Geschichte nach Hause gehen.“ Der Junge sah sie empört an. „Sie hat aber angefangen.“ Die Lehrerin kniff nur die Augen zusammen und der Junge setzte sich kleinlaut wieder in seine Ecke. Das Mädchen sah triumphierend zu ihm hin, bis sie den tadelnden Blick der Lehrerin bemerkte. „Was?“ fragte sie die Lehrerin. Die nickte zu dem Jungen. „Entschuldige dich bei ihm. Du hast ihm wehgetan.“ Das Mädchen schien wiedersprechen zu wollen, doch ein Blick auf die Lehrerin sagte ihr, dass diese das nicht durchgehen lassen würde. Sie drehte sich zu dem Jungen um und sagte mürrisch: „Entschuldige.“ Der Junge nickte ebenso mürrisch zurück. Die Lehrerin seufzte. Es war ziemlich eindeutig, dass beide sich auf dem Nachhauseweg wieder prügeln würden. Wieder einmal.

„Welche Geschichte wollt ihr hören?“ fragte die Lehrerin, die die Antwort schon kannte. Es war immer die gleiche Geschichte, die Kinder waren vernarrt in sie. Und da kam sie auch schon, die leuchtenden Kinderaugen sahen sie an und wie aus einem Mund riefen sie: „Wie die Sonne gemacht wurde.“ Die Lehrerin lächelte.

„Es war einmal vor vielen vielen Jahren, so lange, dass selbst die Steine dort draußen noch nicht geboren worden waren, als die Welt im Dunkeln lag. Sternenlicht erhellte die ewige Nacht…“

Die Lehrerin verlor sich in der Geschichte, sie erzählte von der Liebe zwischen Clar und Joh und wie sie die Liebe zueinander zurückstellen mussten, damit die Welt von Licht erhellt werden konnte. Damit alle Leben konnten. Die Lehrerin selbst mochte die Geschichte sehr und erzählte sie gerne.

„… und dann und wann können wir am Himmel Sternschnuppen sehen. Und es geht das Gerücht, dass Joh sich dann auf die Erde schleicht und Clar eine Nacht lang besucht.“

Das Mädchen seufzte verträumt. Sie liebte diese Geschichten. Der Junge schnaubte. „Wie kann man sich in ein Määäääääädchen verlieben“ und blickte das Mädchen provozierend an. Die Lehrerin kicherte nur: „Das wirst du schon noch feststellen, wenn du größer wirst.“ Der Junge verzog das Gesicht. „Wenn ich dann die da mag“, und zeigte auf das Mädchen, „dann möchte ich nie größer werden.“

Die Lehrerin lachte leise in sich hinein. „Wir werden sehen, mein tapferer Krieger. Nun Kinder“, sie klatschte in die Hände, „die Schule ist aus, wir sehen uns morgen.“

Der Hund schien vor Erleichterung zu seufzen, als die Kinder von ihm herunterstiegen und ein Wettrennen in die selige Freiheit starteten….

Das Dorf lag schlafend in tiefer Nacht, als der alte Schulhund ins Mondlicht trat. Er hob die Schnauze und schien das Licht zu grüßen. Wer genau hinsah, konnte erkennen, dass rund um den alten Hund das Mondlicht ein klein wenig heller war und ihn in seinem Licht badete. Der Hund schien zu lächeln.

Er drehte sich noch einmal zum Dorf herum und lief in einem gemäßigten Trab los. Kurz vor Morgengrauen, viele Meilen von dem Dorf entfernt blieb er stehen und lauschte. Er war allein, weit und breit kein Lebewesen, das konnte er genau spüren.

Der Hund streckte sich und stellte sich auf die Hinterpfoten, die sich in Füße verwandelten. Das Fellverwandelte sich in langes silbernes Haar, die Ohren in spitze Elfenohren. Die Augen blieben stahlblau, klar wie der Himmel an einem Sommermorgen.

Als die Sonne aufging, hielt Clarissa ihr Gesicht in die Strahlen und schloß die Augen. Sanfte Wärme streichelte ihr Gesicht.

„Es hat sich gelohnt“ flüsterte sie der Sonne zu. „Das Leben ist so schön. Sie können es jetzt leben. Es hat sich gelohnt, hörst du?“ Sie sandte die Geschichte der Lehrerin und die Possen der Kinder über die Sonnenstrahlen in den Himmel.

Und über die Sonnenstrahlen fühlte sie das fröhliche Gelächter von Johvan und Jai’an.

Ja, es hatte sich gelohnt.

Veröffentlicht am 21. Juni 2012, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 12 Kommentare.

  1. dazu fällt mir nur ein:
    „Ja, es hat sich gelohnt.“ 😀

  2. Hajo hat völlig recht.

    Ein Typo : Das Mädchen schien wiedersprechen zu wollen,

    da ist ein e zuviel. „wieder“ mit ie nur, wenn es „noch einmal“ bedeutet; „wider“ ohne e heißt „gegen, entgegen“. Widerrede ist ein anderes Wort für Entgegnung…
    Im Englischen gibts das auch, again und against (letzteres kann manchmal durch versus ersetzt werden).

  3. moa – isch do egaal, welle fäählr d’Dante machä diäd – s’isch eufach ebbis schees, diinrä g’schichdä z’lässe…. wußt nööd, daß de soo ddees chaasch 😉

    merci für de schööne oobäde

  4. … und du weißt schon, Tantchen – fürs Smartphone benötigt man smarte Finger. 😛

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