Gute Gesetze und schlechte Gesetze


Etwas weniger lustig, aber wenn ich das jetzt nicht runterschreibe platze ich.

Die Bundesregierung hat in ihrer unendlichen Weisheit ja nunmehr festgestellt, dass die Beschneidung von Jungen erlaubt ist, während die von Mädchen weiterhin verboten ist. Alle Argumentationen, alle berechtigten Zweifel an diesem Ritus haben nichts genützt. Im Gegenteil, die Situation für Jungen ist mit dem Gesetz sogar noch schlimmer geworden, denn jetzt sind auch Beschneidungen erlaubt, wo Eltern das „schöner“ finden, also auch aus ästhetischen Gründen.

Dass das Gesetz verfassungswidrig ist – wen kümmert das schon. Es gibt in den Grundrechten eine Abgrenzung der Wertigkeit. Und die Glaubensfreiheit z.b. steht aus sehr gutem Grund weit hinter der Unversehrtheit des Körpers.

Dieses Gesetz, dieses „Beschneidungsgesetz“ ist eine Schande. Es hat selten ein Gesetz gegeben, das aus niedrigen Beweggründen so scharf in das Recht auf die Unversehrtheit des Körpers eingegriffen hat.

Wegen diesem Gesetz werden Kinder weiter verstümmelt werden. Wegen diesem Gesetz werden Kinder sterben. Denn bereits jetzt sterben Kinder an Beschneidungen. Sie sterben an Nachblutungen und an Infektionen. Und selbst wenn sie nicht sterben – die unverschämte und freche Lüge, dass die Kinder  „die Beschneidung friedlich verschlafen“ während sie in Wahrheit in einer Art Schmerzschock liegen (und manchmal auch daran sterben oder zumindest ernsthaft erkranken), die Folgen, die das für die Kinder hat, die sehr wohl die Schmerzen fühlen und sich daran erinnern, all das hat Erfolg gehabt.

Deutschland hat die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert. Unter massivem Druck und mit mehrjähriger Verspätung. Die Kinderrechtskonvention soll unter anderem Kinder vor solchen Eingriffen, wie sie jetzt ausdrücklich erlaubt sind, schützen.

Bis heute ist die Kinderrechtskonvention nicht umgesetzt. Bis heute sind Kinder in unserer Gesellschaft Menschen zweiter Klasse.

Das Gesetz ist eine Schande.

Aber noch schändlicher ist das Gedankengut und die einseitige Fixierung auf willfährigen Gehorsam überkommener und überflüssiger Riten gegenüber, die einhellig den gesamten Bundestag durchzog.

Und noch schändlicher ist es, dass die Bilanzveranstaltung zum „Runden Tisch sexueller Missbrauch“ abgesagt wurde, damit die zuständigen Ministerinnen sich für die Verstümmelung kleiner Jungen aussprechen können.

Es sind Tage wie diese, wo ich mich frage, in was für einem Land ich lebe. Und wo ich mich für die Politik meines Landes schäme.

Denn machen wir uns eins klar: Das war jetzt ein Rückzugsgefecht. In Israel und in den USA, zwei Länder, die seit Jahrzehnten flächendeckend beschneiden, sind die Beschneidungen auf historischen Tiefstständen. Den Leuten dort dämmert allmählich, was sie ihren Kindern antun. Über kurz oder lang wird die rituelle Beschneidung der Jungen zu Recht dieselbe gesellschaftliche Verachtung erfahren wie sie die rituelle Beschneidung von Mädchen erfährt.

Und dann, Frau Merkel? Herr Beck? Frau Schröder? Wollen sie dann von nichts gewußt haben?

Sie haben Blut an den Händen, allesamt. Das Blut der Kinder, die durch diese Barberei sterben werden.

Veröffentlicht am 13. Dezember 2012, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Zustimmung in allem!

  2. Ebenfalls Zustimmung, allerdings sei darauf hingewiesen, dass sich bei diesem Einzelthema hauptsächlich diejenigen auf grundsätzliche Werte berufen, die das Gesetz ansonsten „flexibler“ gehandhabt sehen wollen. Da soll sich dann mal keiner von denen über die windelweiche Tour der Regierung aufregen. Die spiegelt nur den Zeitgeist wider.

  3. turtle of doom

    Inhaltsangabe dieses Kommentars:

    100% Zustimmung.

  4. „Über kurz oder lang wird die rituelle Beschneidung der Jungen zu Recht dieselbe gesellschaftliche Verachtung erfahren wie sie die rituelle Beschneidung von Mädchen erfährt.“

    Und das nennt Merkel dann „Komikernation“. Ganz im Gegenteil: Das wäre mal DIE Gelegenheit für unser Land gewesen, in einer wichtigen ethischen Frage Vorreiter zu sein. Zwar wäre uns noch lange Zeit der Widerstand sicher gewesen, aber in der historischen Betrachtung hätten wir gewonnen. Chance vertan.

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