Der moderne Pranger
Social Media sind was spannendes. Man kann hier Menschen miteinander interagieren sehen und das ohne Filter und in Echtzeit. Aber leider sind die Dinge, die dabei herauskommen, sehr schön.
Es genügen für diesen Pranger ein paar Triggerwörter, die sofort alle Sicherungen herausspringen lassen. „Vergewaltigung“ ist einer davon. „Missbrauch eines Kindes“ ein anderer.
Die Leute denken bei diesen Triggerwörtern nicht mehr nach, sondern hauen sofort alles ungefiltert weiter raus. Und kaum einer denkt daran, dass eben NICHT nur die Polizei solche Fahndungsaufrufe bauen kann, sondern eben jeder, der einigermaßen mit Paint umgehen kann. Und kaum einer macht sich bewußt, dass das Netz nichts vergisst. Einmal so ein Aufruf gestartet, entwickelt er eine Eigendynamik, die nicht mehr beherrscht werden kann.
Oder anders ausgedrückt: Man verliert in dem Moment die Herrschaft über Verbreitungswege, wo man so einen Aufruf startet.
Aktuell ist mir das deutlich an diesem Aufruf hier aufgefallen, der inzwischen auch bei mir gelandet ist.
Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, erstmal nachzuprüfen, ob das Ding überhaupt echt ist. Vor allem, wenn es aus einer undatierten Quelle stammt. Zu häufig waren bereits Fälle, wo Aufrufe gestartet wurden, in der besten Absicht, zu helfen – und die Helfer die Telefonnummern wechseln mussten, weil selbst nach x Jahren und einer inzwischen erledigten Hilfsaktion, immer noch Menschen anriefen, die helfen wollten. Alternativ: Es wurde ein Aufruf gestartet mit falscher Telefonnummer und die Opfer mehr oder weniger bis zum Wechsel der Telefonnummer in den Wahnsinn getrieben.
Das nennt man – umschreibend – Hoaxe. Und ich mag nicht mehr auf die Dinger reinfallen.
Also hab ich mal gegoogelt. Das erste Ergebnis sah schon nicht gut aus: Keine Treffer, die auf den Aufruf passten.
Allerdings war ich nicht weit genug zurückgegangen. Der Aufruf ist ein Original, er stammt von der Bielefelder Polizei – und ist datiert vom 16.11.2012. Der Versuch, bei der Bielefelder Polizei zurückzurufen, war nicht erfolgreich, es war nach 16 Uhr *g*
Also morgen mal gucken, ob dieser Fahndungsmethusalem noch aktuell ist. Und DANN kann man sich immer noch überlegen, ob man die Dinger raushaut. Und immer dran denken, es sprechen gewichtige Gründe dafür, das nicht zu tun. Auch wenn sie echt sind.
Veröffentlicht am 18. Februar 2013, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 15 Kommentare.
Natürlich kannst du nicht bei der Polizei in B*e*e*e*d anrufen, das gibt es doch gar nicht. *g*
*grinsel* doch doch, die haben sogar ne eigene Telefonnummer 🙂
Da siehste mal, welche Mühe man sich gab, diesen Ort zu faken! 😀
ich hab was über „Bielefeld“ gefunden:
http://www.bielefeldverschwoerung.de/
*grinsel
Ach, doch schon? ALLLLTTTTT…. 😉
Ach ja – Theorie 3, wer hinter der Verschwörung stecken könnte, hat sich inzwischen erledigt… 😉
Tantchen wäre es nicht richtig, solange die Echtheit nicht 100% geklärt ist (oder falls sich das ganze auf der Polizei-seite als Irrtum rausgestellt hat), die Nummer und das Bild unkenntlich zu machen?
Ich meine wenigsten eine neu gehostete Version und unkenntlich gemachte Version des Bildes hier linken um später ggf. das Original einzubinden.
Die Echtheit ist geklärt. Der Fahndungsaufruf UND das Foto gehen direkt auf die Pressestelle der Polizei Bielefeld zurück.
Was nicht geklärt ist, ist, ob das Ding noch aktuell ist.
seltsam, meine Kommentare landen wohl ab und zu im Orcus
Tantchen, gerade die Tatsache, dass noch ungeklärt ist, ob dieser Aufruf überhaupt noch aktuell ist, hätte Dich veranlassen sollen, den Vorschlag von Heph zu folgen. Schliesslich weisst Du ja selbst auf „Spätfolgen“ hin und was ist, wenn sich zwischenzeitlich lääääängst herausgestellt hat, dass die darauf abgebildete Person nachweisbar unschuldig ist?
Hm. Mal Spamfilter gucken….
Tantchen: lenk nicht ab 😉
Tu ich nicht, ich such grad den Kommentar, der verschwunden ist. Ist keiner?
Spamfilter nix drin, Warteschlange leer?
such bitte nicht weiter, vielleicht hängt die Nachricht auch irgendwo um Nirvana meines derzeitigen Auftraggebers .. da gibt es auch manchmal Probleme.
Danke für Deine Mühe 😀
Liebe Grüße
Hajo
P.S.: kann man eigentlich eine Warteschlange auch essen? 😉
Nä. Zu trocken. *g*
man sollte generell, was eine zugeschickt wird, mit der Aufforderung es an möglichst viele ander zu verteilen sehr sehr vorsichtig sein. das sind typische Kettenbriefe, dier sich spätestens nach der 2. Stufe verselbständigen udn nicht mehr kontrollierbar sind. man sollte, egal was man bekomtm das erst auf den wahrheitsgehalt und aktualität überprüfen und erst dann, wenn überhaupt weiterleiten.
eine gute Anlaufstelle ist übrigens die Webseite bei der TU-Berlin zu den hoaxes: http://hoax-info.tubit.tu-berlin.de/hoax/
PS: Es gab Zeiten, wo ich dieselbe hoax wochenlang von verschiedenen Leuten zugeschickt bekam. Inzwischen ist mein Bekanntenkreis weitgehend aufgeklärt, trotzdem schlägt doch ab und zu mal wieder ein hoax durch.