Die Entgiftungskur ;-)


/update. Der Text war nicht bissig genug. Und Ironiepotenzial war ja genug vorhanden.
Ein guter Kollege war zur (allerdings privatfinanzierten) Kur in einem fernasiatischen Land (anders als die Türkei, die ist nahasiatisch*g*). Als Leiter einer Behörde hat er bei sich durchgesetzt, dass die Mitarbeiter alle spezielle, bürgerfreundliche Uniformen tragen. Die Damen schneeweiße Röcke (keine Hosen bittschön), denn die Röcke heben die Eleganz und natürliche Anmut der dort angestellten Damen hervor. Auch wenn sie eigentlich gar keine besitzen oder sich in Hosen deutlich wohler fühlen. Nein, das ist nicht bürgerfreundlich, als bürgerfreundliches Amt trägt man als Dame Rock, das betont den Respekt, den man den Bürgern dort entgegenbringt. Schließlich achtet man ja mehr auf sich, wenn man Rock trägt. In Hosen kann man die Fettwamme aka Dönerfriedhof auch viel besser verstecken.

*runterguck* das stimmt sogar 

Dazu eine weiße Bluse. In Brusthöhe ist ein rotes Herz in „groß“ eingestickt und der bürgerfreundliche Gedanke dort verewigt. „Ihr Amt mit Herz“.

Die Herren tragen weiße Hosen und weiße Hemden. Ebenfalls mit rot eingesticktem Herz in Brusthöhe. Halt dort nicht unbedingt in 3D. 🙂

In der 3-wöchigen Kur im buddhistischen Kloster zur vergoldeten Pforte oder so hat er sich dann im Buddhismus, Karma und Entspannungstechniken ausbilden lassen und diverse Entgiftungskuren hinter sich gebracht. (Naja, nach der Aktion mit der Kleidervorschrift wurde gemunkelt, dass das auch bitter nötig war. *hust*). Außerdem wurde ihm hier vom Lama persönlich die göttliche Erleuchtung gejodelt.

Nebenbei hat er sich Land und Leute angeguckt und es auch tatsächlich geschafft, einem Bauern am Wegesrand so ein weißes Hemd mit rotem Herz überzustülpen. Ich weiß nicht, ob er ihm erklärt hat, was das Herz bedeutet – was ER nicht begriffen hat, ist, dass weiß in Japan und allgemein in asiatischen Ländern die Farbe der Trauer ist.

Und das rote Herz auf weißem Grund in der Bekleidung dem ganzen eine völlig neue Bedeutung gibt. Im Ernst, ich glaube Bürgerfreundlichkeit mit Trauerkleidung zu betonen ist halt doch schon etwas besonderes. Vor allem so glaubwürdig 

Ich vermute mal, dass erklärt auf den Fotos auch das deutlich sichtbare schallende Gelächter des Bauern. 🙂

Seine Kollegen amüsierts – sein Bürgerfreundlichkeitstick nervt inzwischen gewaltig und dank der Entgiftungskur ist auch kein Ende in Sicht. 😉

Die Frage, die sich mir immer wieder stellt, auch wenn ich Kleidervorschriften in Banken sehe: Wozu das ganze? Das man nicht wie Schluffi7 ins Büro rennt, versteht sich doch von selbst (ok, ich hab auch schlechte Tage, aber ich bin Administratöse, also Nerd, von mir wird das erwartet), aber ich hab nie begriffen, wieso man in bestimmten Berufen einen gewissen Kleiderkodex einhält. An Ackermann sieht man ja sehr gut, dass gutes Benehmen, Anstand, Respekt und Ehrgefühl nicht immer mit der Qualität der Anzüge einhergeht.

Und in Behörden sieht das ja noch deutlich anders aus. Behörden haben zu funktionieren. Die Mitarbeiter haben die Bürger mit Respekt zu behandeln und haben das Recht mit Respekt behandelt zu werden. Und eben auch von den Vorgesetzten. Ich kapiere nach wie vor nicht, warum Frauen auf Röcke reduziert werden sollen (egal was für Krautstampfer da drunter vorlugen) und wieso Männer unbedingt weiße Hosen anziehen sollen. Abgesehen davon, dass die Klamotten bei mir zur Frühstückspause schon hemmungslos eingesaut wären (Kaffee sieht man da halt recht deutlich und meine Kundschaft bringt mich öfter mal zum „prusten“): Weiß ist eine dämliche Bürofarbe. Und ich seh darin aus wie Tod auf Urlaub.

Die Mitarbeiter sind Bürgerfreundlich, weil sie es aus sich heraus tun. Kein Klamottenzwang, kein zum Animateur mutierter selbsternannter Motivationskünstler wird es mit „Tschakka, du schaffst es“ packen, einen ausgewiesenen Muffischlumpf zum Bürgerfreund zu machen. Der hat dann höchstens ne Entgiftungskur in einem asiatischen….äh ja, genau. Ich komm zum Anfang.

Aber diese Erkenntnisse sind bei der rheinischen Frohnatur recht unangebracht. Zumal die rheinische Frohnatur schnell selbst zum Muffischlumpf wird, wenn die Kollegen mangelnde Begeisterung ob der Motivationsfähigkeiten unseres Freundes erkennen lassen.

Und genau DAS ist das, was ich an Behörden allgemein kritisiere. Und wo ich mich bis zu meiner Rente nicht mit abfinden werde:

Tünche statt tatsächlicher Reformen. „So tun als ob“ statt tatsächlichem Umdenken. Mitarbeiterbeteiligung wird groß geschrieben. Aber nur, wenns an die Verteilung der Verantwortlichkeiten geht. Wenns an die Belohnungen geht, sind die Mitarbeiter auf einmal untergeordnet und haben dem großen Mufti zugearbeitet. Ich hab das Glück, das MEIN Chef anders ist. Den soll mir bloß keiner mehr wegnehmen. Meiner. Der ist adoptiert. *g* Aber ich kenns auch eben genau anders.

Echte Bürgerfreundlichkeit wird erst erreicht, wenn der Bürger als gleichberechtigtes Wesen wahrgenommen wird. Und das wird erst erreicht, wenn er nicht mehr am unteren Ende der Nahrungskette steht. Derzeit isset doch häufig so: Amtsleiter sauer => Anschiss Abteilungsleiter => Anschiss Mitarbeiter => Anschiss Bürger wegen irgendwas.

Das muss sich ändern. Da ich aber auch Behörden zu gut kenne, glaube ich auch, dass es frühestens Weihnachten was wird.

2520.

Übrigens ist das auch keine Einbahnstraße. Auch die Kollegen vor Ort können den Respekt erwarten, den man dem Bürger entgegenbringt. Wir haben hier im Dorf am Rande der Großstadt wirklich einen Haufen hochengagierter und -qualifizierter Leute. Und die sind nun wahrlich nicht zu beneiden mit ihrem täglichen Umgang.

[Bild liefer ich heute abend nach, da ist noch etwas Nacharbeit erforderlich *g*]

Veröffentlicht am 27. Mai 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Also auf das Bild bin ich ja mal gespannt. Besser wären Bilder, mich würden die Damen und Herren in weiß interessieren. Vor allem die Herren in weiß stelle ich mir leicht Matrosen-haft vor.am besten gefiel mir der Satz: "Halt dort nicht unbedingt in 3D. :-)" da musste ich wirklich etwas lachen.Was mich noch interessiert: "Und das rote Herz auf weißem Grund in der Bekleidung dem ganzen eine völlig neue Bedeutung gibt."Meinst du damit eine bestimmte Bedeutung? Oder nur den Kontrast zwischen dem herz und dem weiß für Trauer?Wade Wilson

  2. Naja. Hier in Deutschland wird weiß eben als Farbe der Freude angesehen. Hochzeiten und Beerdigungen fallen mir da spontan ein:Du wirst eine traditionelle (!) Hochzeit in Asien die Braut eher in rot (China) sehen. Rot ist eine glückverheißende Farbe. Auch bei der "neumodischen" Hochzeit, wo die Braut in weiß geht, zieht sie sich mindestens einmal um und zieht ein traditionelles rotes Hochzeitsgewand an.So gesehen bei der Hochzeit eines chinesischen Freundes. Und mehrfach auch danach.Und im Urlaub jemanden in ein weißes Hemd zu stecken wo ein rotes Herz drauf ist und zu sagen "das ist unser bürgerfreundliches Hemd" ist schon….. naja. *g*

  3. Also der Text ist echt genial, auch wenn etwas arg lang nach dem Update. Man sieht auch gut, wie sehr dich das beschäftigt oder beschäftigt hat, wenn man zuvor die kürzere Version gelesen hat ;-)Ich verstehe den Sinn allerdings auch nicht. Wieso Röcke und wieso weiß?Ein Rock suggeriert normalerweise, dass sich eine Frau bzw. ein Mädchen so wohl fühlt. Also so gesehen Freizeit etc. Eine Frau die sich prinzipiell nicht wohlfühlt in einem Rock (gibt sicher auch genug, vllt sogar mehr) brauchen ja auch keine zu tragen. Wenn ich so etwas auf einem Amt sehen würde, das alle gleich rumlaufen, kommt doch sofort der Gedanke an Kleiderzwang und das würde ich nicht sehr "bürgerfreundlich" empfinden.Nochmal zurück zum Text:"war nicht bissig genug"gegen"In Hosen kann man die Fettwamme aka Dönerfriedhof auch viel besser verstecken."Und wie selbstkritisch ;-)"*runterguck* das stimmt sogar"Auch wenn du durch die maßlose Übertreibung den Anschein von Ironie vllt. auch Zynismus erwecken willst, glaube ich dass du glaubst, dass da ein Fünkchen dran wahr ist. ;-)Ich wette das stimmt nichtmal annähernd.Vielleicht postest du ja auch mal ein Bild von dir *hihiWade Wilson

  4. *bilders*oder es ist nix passiert;-)

  5. Man man man!!! Es ist jetzt 09:14 Uhr an einem Freitag und ich warte immer noch sehnsüchtig auf die Bilder. Und ich dachte schon das bei uns im Amt bei dem einen oder anderen "der Wind pfeift", aber den Uniformzwang hatten wir ja früher schon mal…In diesem Sinne mit brüderlichen Gruß an alle Admins und Adminas einen angenehmen Freitag

  6. mein Job bringt es mit sich das ich in weiß arbeite. Leider. Und ich hasse es von ganzem Herzen. Manche Kollegen arbeiten dann an den Wochenenden, wenn die Cheffeetage nicht im Haus rumlungert, in Räuberzivil. Immer in der Hoffnung, das einen die Angehörigen der alten Loitz nit verpfeifen.Aber wenigstens muss ich die weissen Sachen nicht selber waschen und bügeln. Da gibt es tatsächlich andere Arbeitgeber, die ihren Angestellten das auch noch überlassen. Sparmaßnahmen halt…soifz

warf folgenden Kuchen auf den Teller