Lehrer


Neee. Das wird kein Lehrerbashing. Glaub ich zumindest bis jetzt.

Ich hab mit dieser Spezies Mensch ja häufiger zu tun. Und anders, als meine Erzählungen vielleicht glauben machen: Die meisten machen ihren Job gut,  engagiert und geben sich echt Mühe.

Aber die Frau Heldin im Chaos wäre doch manchmal lieber Lehrerin geworden, was ich bei einigen Erzählungen wirklich nachvollziehen kann. Trotzdem ist auch der Lehrerberuf kein Zuckerschlecken, egal was man behauptet.

Da ist z.B. der Adminlehrer einer kleinen Förderschule. Dem kann ich blind sagen, was gemacht werden muss, und ich kann mich dann 100% drauf verlassen, dass es auch genau so gemacht wird.

Im Umkehrschluß weiß ich aber auch: Wenn DER brüllt, ist Mattei am Letzten. Dann ist Sprinten angesagt, der brüllt nicht ohne Grund.

Oder die Lehrerin an einer Grundschule, die sich echt Mühe gibt, viel recherchiert, hoch engagiert versucht, Neuerungen einzuführen – und am Desinteresse der Kollegen scheitert. Die aber jede Niederlage *irgendwie* abschüttelt und dann weitermacht. Mit dem nächsten Projekt. Und die Ideen gehen ihr auch echt nicht aus. Und da sind ein paar richtige Perlen dabei.

Mein Flugsimulatorrektorchen, Schlitzohr, Schelm und irgendwie niedlich. Aber wenns auf Ideen ankommt, kann man sich auf seinen Spieltrieb verlassen. Die Ideen sind selten auf Anhieb Praxistauglich – aber sobald ein Realist da mit reinfunkt, kann man echt gute Sachen auf den Weg bringen.

Das Hauptproblem ist halt – die Leute sind auf einzelne Schulen verteilt. Jede Schule kämpft für sich und alle im Grunde gegeneinander.  Ideen bleiben meist innerhalb der Schule und werden nicht in andere Schulen übertragen. Was bei manchen Projekten wirklich schade ist. Und weil sie sich oft so aufreiben zwischen der Sozialkorrektur von Erziehungsopfern und den Anforderung einer immer stärker durchtechnisierten Welt.

Wenn ich sehe, mit welcher Begeisterung eine Klasse sich gegenseitig fotografiert um dann im schulinternen Intranet die Fotos zu veröffentlichen und die ganz stolz sagen: „Ich bin im Intrenet (!)“ dann ist das einfach toll.

Wenn die Kinder Bilder mit dem Zeichenbrett, was ich zur Verfügung gestellt habe, via Paint kleine Bilder malen, die ausdrucken und dann mit anderen Mal- und Basteltechniken ergänzen: Klasse.

Die Schule, die ein Schulradio einführt – jede Klasse hat einen PC mit Netzanschluß. Das Tonstudio der Musikschule wird dann dazu genutzt, um die Beiträge 14täglich einzuspielen. Und dann machen die 5 Stunden Sendung und das wird dann im Intranet gestreamt. Und jeder kann sich das anhören, wenn er will. Das sind inzwischen begehrte Plätze in der AG. Und die Leute werden in der Schule wie die kleinen Helden gefeiert, die sie sind. Und mindestens von einem Schüler weiß ich, dass er inzwischen als Volontär arbeitet. 🙂

MEIN Job ist nicht der Unterricht. MEIN Job ist die Bereitstellung der Infrastruktur, dass diese Arbeit überhaupt möglich ist. Ich bin die stille Frau im Hintergrund, die Probleme beseitigt, Türen bei der Gelderbeschaffung eintritt (zugegebenermaßen: DAS nicht so still *g*) und die auch schon mal Händchen hält, wenn denn ein Projekt so gar nicht funktioniert. Und die gerne technische Beratung gibt, wenn Projekte anstehen.

Darum mag ich meinen Job. Die Dönekes nebenbei – die sind Zubrot und immer mal wieder für eine Geschichte gut.

Aber mein täglicher Job – der ist klasse. 🙂

Veröffentlicht am 5. August 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 13 Kommentare.

  1. Ist doch schön, dass dir dein Job so gut gefällt. Und die lustigen Geschichten, welche ab und zu noch ein kleines Sahnehäubchen oben drauf setzen, gefallen nicht nur dir 😉

  2. Man… Irgendwie hoffe ich manchmal echt, dass Du die Frau Sysadmin an der Schule sein wirst, an der ich in ein paar Jährchen arbeiten muss.

    • Danke für die Blumen 🙂

      • Als „bis vor einer Woche auf der anderen Seite Stehende“ muss ich sagen – meist macht der Job ja auch Spaß. Manche Schüler und Kollegen sind im Moment nervenaufreibend und lästig. Aber – hey, über irgendwas muss man doch lästern können… 😉

        Daher – behalte deinen Spaß an der Sache, das ist die beste Garantie, mit Freude 100 Jahre zu werden!

  3. Deiner Beschreibung nach solltest du für die Leute die du symphatisch findest mal ein Forum o.ä. einrichten. Dann muss nicht mehr jeder für sich kämpfen.

    • Jo – geile Idee Du – vielleicht im schulübergreifenden Intranet vom Landkreis oder so…

      Wird aber an der Infrastruktur, bzw. deren Kosten scheitern!

      Dafür gibt’s dann ’n neues Rathaus oder ’ne neue Tiefgarage oder ’nen neuen Dienstwagen oder oder oder

      • Kannst du denn bei der Planung des neuen Rathauses nicht den dafür notwendigen Serverraum irgenwie ins Aufmaß schmuggeln? Kannst ja dem BGM verklickern, dass das sein persönlicher Counterstrike-Serverraum wird. ^^

        • Man könnte die leute aber mal zusammenbringen – also Tantchens Perlen – über E-mail und ähnliches.

          Somit kann man einen Projektvorschlag gleich an mehreren ecken einbringen und wenn es dann an einer Schule gut funzt könnten die anderen genug Anreiz haben es selbst zu versuchen.

      • Oder so in die Tiefgarage mit reinschmuggeln. So ein extrem sicherer Betriebsraum ist doch nie überflüssig. Und natürlich muß der dann über DSL verfügen, ist doch Standard für Betriebsräume … 😉

        • Vor allem, wenn man die Katastrophensicherheit gewährleisten muss. Also am Besten gleich die Satelliten-Verbindung mit beantragen, damit auch im Falle eines großflächigen Erdbebens/einer Überschwemmung/eines Vulkanausbruchs die Verbindung immer noch gewährleistet ist. Da lassen sich sicherlich entsprechende Risiko-Studien zu auftreiben, die man dann noch ein bisschen dramatisieren kann. ^^

  4. „Sozialkorrektur von Erziehungsopfern“ – darf ich den Begriff klauen?

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