Steinigungen


Ich schlage mich mit dem Thema bereits eine Weile rum und wollte schon darüber bloggen, bevor der ganze Mist da über mich hereingebrochen ist.

Es geht um den Film „The Stoning“, der vorwiegend in 10-min-Abschnitten bei YouTube veröffentlicht wurde. Der Plot ist schnell erklärt:

Die junge Amerikanerin Catherine Mulligan verliebt sich in einen Iraner, tritt zum Islam über und folgt ihm in sein Land. Seine Familie hasst die „Ungläubige“ und irgendwann ziehen sie vom Dorf nach Teheran und leben dort glücklich. Bis der Nachbar das Mädchen vergewaltigt, sie von ihm schwanger wird, abtreibt und dafür mit 25 Peitschenhieben und 1 Jahr Isolationshaft bestraft wird. In der Zeit stellt sich heraus, dass der Ehemann zeugungsunfähig ist, sie ihn also „betrogen“ hat, der Prozess, den die Familie des Ehemannes anstrebt, führt zum Urteil „Steinigung“. Er wird zum Terroristen und bei einer Geiselbefreiung, die sie in Berlin genommen haben, erschossen.

Die ganze Zeit hab ich mich gefragt: Was bitte soll diese Räuberpistole?

Steinigung ist ein unglaubliches Verbrechen. Es ist keine Strafe. Im Koran findet sich meines Wissens auch keine Grundlage dafür, jemanden zu steinigen, dass wurde aus dem alten Testament abgeleitet.

Jemande bis zur Brust, bis zur Wehrlosigkeit einzugraben, vorher noch komplett einzuwickeln, damit die Steinewerfer sich die Gesichter nicht mehr ansehen müssen: Feige, widerlich und abartig.

Aber muss man, um die Widerlichkeit dieser „Strafe“ zu zeigen, denn wirklich zu einer derartigen Räuberpistole greifen? Ist das Schicksal iranischer Frauen nicht schon schlimm genug? Muss man den Trick „amerikanische Frau wird gesteinigt“ wählen, um die Leute emotional hochzubringen?

Jeder Mensch (auch Männer werden gesteinigt), der unter einer Ladung Steine verschwindet, ist einer zuviel. Jeder Mensch, der Steine wirft, macht sich des Mordes schuldig. Kein Verbrechen ist so schlimm, dass es diese „Strafe“ rechtfertigt.

Aber gerade dieser Film hatte definitiv nicht die Anprangerung der Steinigungsstrafe zum Ziel – er hat die Abscheu vor diesem Verbrechen genutzt, um Stimmung gegen ein Land zu machen, dass derartige Dinge duldet und fördert. Und das ist ein Missbrauch der Geschändeten, der Gefolterten, der Menschen, die auf diese furchtbare Weise ermordet wurden.

Der Iran ist eine Diktatur, da beißt die Maus keinen Faden ab. Der Iran wird von religiösen Fanatikern regiert, auch hier ist die Tatsache nicht zu leugnen. Ahmandinedschad ist auch nicht gerade das, was man einen lupenreinen Demokraten nennt.

Aber:

Er wurde von der Mehrheit der Iraner gewählt und der Rest der Welt hat das zu akzeptieren. Wenn das iranische Volk die Unterdrücker nicht mehr haben will, dann kann es sie verjagen – sie haben es bewiesen, als sie den Shah verjagt haben. Den Herrscher mit der zu seiner Zeit größten und bestausgestatteten Armee in der Region.

Es steht dem Westen nicht zu, den Iranern vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Das steht uns hier eigentlich bei niemandem zu. Wir tun es immer wieder, teils immer noch aus einem Kolonialbewusstsein heraus. Wir haben eine Lebensart für gut befunden und vergessen immer und immer wieder, dass andere möglicherweise nicht so leben wollen. Und dass das ihre freie Entscheidung ist, die wir vielleicht nicht gutheißen können, die wir aber akzeptieren müssen.

Lieber unser Schweinehund als euer Heiliger, das kann man damit auf den Punkt bringen.

Und Filme wie „The Stoning“ befördern die „gerechte Empörung“ über eine Tatsache, die viele Menschen im Iran betreffen. Jedoch wird sich auch der Iran 2x überlegen, ob er eine gebürtige Amerikanerin steinigt oder aber nicht. Und selbst wenn das Urteil auf „Steinigung“ lauten würde: Wahrscheinlicher wäre, dass das Mädchen begnadigt und abgeschoben würde.

Das Szenario jedoch, was die Regisseurin dort entworfen hat, wird weder dem Anspruch des Filmes gerecht, noch den Lebensrealitäten im Iran noch ist er konstruktiv in der Zusammenarbeit.

Denn auch für Mullahs gilt: Wenn man konstruktiv mit ihnen zusammenarbeit und sie ernst nimmt, werden sie sicherlich selbst mitarbeiten. Denn auch die Mullahs im Iran sind nicht doof und wissen, dass auf Dauer eine konstruktive Zusammenarbeit besser ist, als das ewige Kontra.

Das gilt auch für Ahmadinedschad, den ich ebensowenig für so doof halte, wie die Leute uns glauben machen wollen. Aber sie wollen das, was sie für das Beste für sich (!) und ihr Land halten.

Und zeige mir bitte einer den Politiker, der das nicht tut. Und zwar in exakt dieser Reihenfolge.

Veröffentlicht am 18. September 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 19 Kommentare.

  1. Gut gesagt. Dem hab‘ ich nichts hinzuzufügen.

    Andere Sache: Gute Besserung!

  2. Pervers…. Steinigung ist meiner meinung nach nicht nur ein verbrechen, sondern auch ein akt gegen die Menschliche SEELE
    Wer sowas jmd antun kann…den möchte ich sehen, und dann soll man ihm mal n zeigen, wie es ist gesteinigt zu werden….perverslinge diese -.-

  3. Bist du sicher, dass die Iraner den Schah selbst rausgeschmissen haben?
    Bist du sicher, dass die Mehrheit der Iraner den Ama-Dingens gewählt haben?
    Ich habe da so meine Zweifen!

    Dennoch ist die angesprochene Räuberpistole nicht in Ordnung – die Art und Weise ist schiet.

    Allerdings verstehe ich immer noch nicht (habe es nie und werde es auch nie verstehen), warum ein Vergewaltigungsopfer für schuldig befunden wird! Ist bei uns ja auch manchmal so, nur dass das Opfer nicht gesteinigt wird.

    Naja – ist gibt viel Schwachsinn inner Welt und die größten Schwachmaten regieren die anderen, kleineren Idioten. Das ist bei uns ja auch so…

    • Du, haben die tatsächlich. Ich kanns nur mit Pispers Worten wiederholen: Können sie sich vorstellen, wie verzweifelt sie sein müssen, um sich mit dem Papst zu verbrüdern um Gerhard Schröder loszuwerden?

      So ähnlich musst du das auch im Iran sehen. Der Schah war kein demokratischer Musterherrscher, im Gegenteil. Die SAVAK war eine ziemlich effektive und äußerst brutale Unterdrückungsmaschinerie. Und imho haben die ne Menge von denen in den jetzigen Geheimdienst übernommen.

      Und warum die Opfer im Iran für schuldig befunden werden kannst du bei den Vergewaltigungsprozessen hierzulande aus den 60ern hervorragend ableiten. Die haben sich unzüchtig bewegt, sie haben aufgrund ihres Verhaltens und ihrer Kleidung (Minirock) den Mann quasi gezwungen, sie zu vergewaltigen. Daher gab es in den 60ern und auch noch den 70ern viele Freisprüche oder äußerst milde Urteile gegen Vergewaltiger. Da Die sind rechtlich tatsächlich noch auf der Schiene. Dass das Unfug ist und dass es nicht um Triebbefriedigung geht, wissen die nicht – oder wollen es nicht wissen.

      Und DA muss angesetzt werden. Es muss auch dem letzten Vollhonk klarwerden, dass Vergewaltiger arme Würstchen ohne Selbstbewusstsein sind, die den Kick der Angst und des Ekels ihrer Opfer brauchen um sich groß zu fühlen. Erst dann werden auch die Steinigungen aufhören – aber diese Filme wie „The Stoning“ – diese Zelluloidverschwendung, diese ekelhafte Anti-Islam-Propaganda, die werden bei sowas genau nicht helfen.

  4. Tantchen was ist deine Meinung zu der Anti-Atom demo Gestern?

    • Passt ja auch zu Steinewerfen, oder?
      Die Demo mag vielleicht was bringen – kurzfristig ein schlechtes Gewissen bei den Protagonisten. So ca. 5 min. Dann zählen die wieder die Kohle auf dem Bankkonto und sind fein ruhig.

      Aber sollte eins der Kraftwerke hochgehen und halb Deutschland unbewohnbar werden (wir sind hier nicht die Ukraine, wo viel Platz war für das strahlenverseuchte Gebiet rund um Pripjat und wo man das schön in der Wildnis vergessen kann), dann will das keiner gewusst haben und keiner hat Schuld. Duisburg-Effekt: Die Politik zeigt auf die Energiekonzerne und die zeigen auf die Politik. ER WARS!!

      Same Procedure than every year James. Und eins ist auch sicher: Verstrahlt werden nur wir. DIE nicht.

  5. Die Decke der Zivilisation ist dünn – soweit ist Europa vom „Nahen Osten“ nicht entfernt. Lucretia (mal googlen) brachte sich um, nachdem sie vergewaltigt wurde, weil sie die „Schande“ nicht ertragen konnte. Auch heute noch spricht man in unserem Sprachraum von „Schändung“ oder „Kinderschändern“. Nichts ist unzutreffender und vermag die Schuld eindeutiger vom Täter auf das Opfer zu projizieren. Auch deswegen schämen sich viele Opfer ein Leben lang, obwohl die Täter sich schämen müssten. In Deutschland wurden jahrhundertlelang die „Kinder der Schande“ nicht in die Kirche aufgenommen.

  6. Also, jetzt muss ich Dir mal ein ganz dickes Kompliment machen. Ich kenne kaum jemanden, der sich so umfangreiche Gedanken macht, und sich nicht weitgehend unreflektiert und unwissend eine Meinung über ein Thema bildet.

    Sowohl zum Thema Iran, wie auch zum Thema Vergewaltigung stimme ich Dir zu 100% zu.

    Hast Du zum Thema Vergewaltiger und ihre Motive zufällig eine gute Quelle? Das würde ich nämlich ganz gerne den Leuten präsentieren, die das immer noch für sexuell motiviert halten.

    • Auf die Schnelle hab ich nur das hier gefunden, beim Überfliegen sah das aber schon mal sehr gut aus.
      http://www.amnesty-maf.de/themen/Vergewaltigung.htm

      Und wer glaubt, dass das sexuell motiviert ist, hat was nicht verstanden. Wann hat man die größte Macht über das Opfer? Wann kann man ihm am besten zeigen, dass es keine Rechte hat: Wenn man gegen den erklärten Willen eindringt. Wenn man gegen ihren erklärten Willen Dinge mit ihr tut, die sie nicht will. Wenn sie aber zuviel Angst hat, sich dagege zu stellen.
      Wenn das Opfer die Erfahrung macht, dass die Grenzen, die man selbst zieht, nicht mehr zählen. Wenn man buchstäblich völlig bloßgestellt ist und man absolut macht- und hilflos ist.

      Das, nicht mehr und nicht weniger, ist eine Vergewaltigung. Und es geht dabei NUR um Machtspielchen. Zu zeigen, dass man doch viel mächtiger ist, dass man jederzeit tun kann was man will.

      Darum sind auch diese völlig abstrusen Bestrebungen, die Täter zu kastrieren, völlig banane. Du nimmst einem Täter das Instrument weg – er wird sich ein neues suchen, da er ja immer noch das Machtbedürfnis haben. Und DANN wirds ne Waffe sein, die möglicherweise auch benutzt wird.
      Kastrierungen schützen nicht – sie töten.

    • Ich dachte mir auch schon, dass die Kastrierung nicht viel bringen würde. Bis zur Waffe habe ich noch gar nicht gedacht. Stimmt eigentlich, Du hast recht.

  7. Es gibt grundlegende Menschenrecht, und an die haben sich alle zu halten, egal welches Land, egal welche Religion. Wenn Menschen zum Tode verurteilt werden oder verstümmelt, indem ihnen Hände oder Füsse amputiert werden ( Koran, Sure 5 (Al-Máedah), 38: Der Dieb und die Diebin: trennt ihnen ihre Hände ab als Lohn für das, was sie begangen haben, und als ein warnendes Beispiel von Allah. Allah ist Allmächtig und Allweise. ), dann ist das eine Barbarei, so schrecklich, dass man es mit Worten nicht mehr fassen kann.

    Dein Zitat „Wenn das iranische Volk die Unterdrücker nicht mehr haben will, dann kann es sie verjagen…“ stimmt schlichtweg nicht. Das Volk an sich gibt es nicht, aber es gibt tausende oder Millionen Einzelpersonen. Das dabei das Recht der Schwächeren oft auf der Strecke bleibt, ist eine traurige Tatsache. Es gibt soviele, die versuchen, sich zu wehren, auch im Iran, aber wehe, sie machen das öffentlich. Es ist z.B. schon verboten, sich privat zu treffen, wenn dahinter irgendwas vermutet wird, das dieser barbarischen Religion scheinbar oder offensichtlich widerspricht. Ja klar: wenn man z.B. die Bibel anschaut, auch sie ist voller Gewalt.

    Gruss

    Barbara

    • Du fällst leider auf die üblichen Sprüche rein. Einerseits bestehst du darauf, die Iraner als ganz viele Einzelpersonen zu sehen, die einzeln unterdrückt werden. Andererseits nimmst du eine Sure aus dem Koran und nimmst die als Beispiel, dass der Islam barbarisch ist – du verallgemeinerst also hier.

      Nun, das alte Testament ist, freundlich ausgedrückt, auch barbarisch und voll von Vorschriften, die heutzutage nicht mehr nachvollziehbar sind. Guck dir mal an, wie orthodoxe Juden leben, dann weißt du was ich meine. Das neue Testament ist mir nicht geläufig genug, aber das dürfte auch das erste Buch sein, dass vorrangig auf Frieden und Verständigung setzt und trotzdem Grund für einen Arsch voll Blutvergießen war.

      Was denn nun? 🙂
      Fakt ist: Der Koran und der Islam wird gerade von Leute missbraucht, die ihre eigene, rückständige Weltanschauung gerne mit Gewalt anderen aufoktroyieren möchten. Sie tun das mit Mitteln, die in der Tat barbarisch sind.

      http://www.kreuz.net – das sind Christen. Stimmst du mit der Meinung dieser Menschen dort überein? Sie fordern teilweise heftige Sachen, ist das in deinem Sinne? Wenn Homosexuelle zwangsbehandelt werden, damit ihre „Krankheit“ geheilt wird? Machen diese selbsternannten Krieger Gottes jetzt das Christentum barbarisch? Nach deiner Lesart müssten sie es tun. Nach meiner Meinung sind das durchgeknallte Vollhonks, die vor lauter Angst alles hassen, was anders ist. Und die deshalb notfalls mit Gewalt auf alles losgehen, was anders ist, um ihr eigenes Weltbild zu behalten. Arme Würstchen. Ja. Aber gefährliche arme Würstchen.

      Nichts anderes sind die islamischen „Gotteskrieger“. Ich könnt mir vorstellen, dass die ihr Paradies nicht so sanft gebettet vorfinden, wie sie gehofft haben. Sie sind Menschen, die aus lauter Angst, die Kontrolle zu verlieren zur Gewalt greifen. Aber das macht die Religion nicht barbarisch.

      Und nochmal: Es steht keinem von uns zu, einem anderen Land vorzuschreiben, wie es regiert werden soll. Wenn es ein Herrscher/Despot/Diktator übertreibt, wird er im Regelfall vom eigenen Volk vertrieben, weil die einfach die Schnauze voll haben. Uns mag die Mullah-Diktatur nicht passen. Einer Menge Iranis mag sie auch nicht gefallen, und die haben auch guten Grund, Angst zu haben – denn Waisenkinder sind das alle nicht. Wir übrigens auch nicht. Wusstest du, dass die deutschen Truppen inzwischen auch Todesschwadronen haben, die gezielt Aufständische umbringen?

      Aber es ist die legitimierte Regierung eines Landes. Ahmadinedschad ist gewählt worden. Und da haben wir uns einfach nicht einzumischen.

      Der Sonderfall ist eindeutig die Todesstrafe und vor allem deren Umsetzung. Steinigen ist grausam. Die Frauen haben oftmals nichts anderes getan, als jemandem aufzufallen, der sie angezeigt hat. Aber auch hier gilt: Wir können nicht mit dem Finger auf den Iran zeigen und bei den USA freundlich winken. Denn die Umsetzung der Todesstrafe dort ist auch nicht gerade das, was man mit Menschenrechten vereinbar nennen kann.

      Und, um ein Fazit zu bringen: Du wirst die Verhältnisse nicht ändern können, wenn du die Machthaber änderst. Putsch Ahmadinedschad weg und dann einen xbeliebigen anderen Politiker ran, putsch die Mullahs weg und ersetze sie durch irgendwas anders, was wird denn dann passieren? Ich kanns dir sagen, ich brauch nur in den Irak und nach Afghanistan gucken:

      – Warlordherrschaft, Bürgerkrieg
      – umfangreiche Zerstörungen
      – feindliche Übernahme der Ölquellen durch US-Konglomerate. Die Armee schützt vorrangig die Quellen.
      – willkürherrschaft allerorten, Menschen, die willkürlich verstümmelt, vergewaltigt, getötet oder gefoltert werden. Einfach, weil der mächtige es kann.

      Willst du das jetzt zum 3. mal sehen, wie sowas funktioniert? Oder eigentlich zum 5. mal: Vietnam und Korea fangen nach 30 bzw. 50 Jahren jetzt langsam an, sich von den Eingriffen zu erholen.

      Willst du das wirklich? Wenn du Steinigungen abschaffen willst, dann musst du das Volk überzeugen. Erst wenn sich durchgesetzt hat, dass es eine grausame Strafe ist, erst dann wird die Strafe im Iran abgeschafft werden. Keine Sekunde früher.

      • Du machst mir lauter Unterstellungen. Du, die Du von Gerechtigkeit reden willst.

        „Du fällst leider auf die üblichen Sprüche rein.“
        Nein, ich fall auf niemandes Sprüche rein. Ich brauch niemandem zu glauben oder zu folgen. Ich habe meine EIGENE Meinung.

        „Einerseits bestehst du darauf, die Iraner als ganz viele Einzelpersonen zu sehen, die einzeln unterdrückt werden. Andererseits nimmst du eine Sure aus dem Koran und nimmst die als Beispiel, dass der Islam barbarisch ist – du verallgemeinerst also hier.“
        Erstens: ja, jeder Iraner ist eine Einzelperson. Zweitens: Die Sure, die ich zitiert habe, ist nur eine von vielen, vielen weiteren, die äusserst fragwürdig sind. Und um extra Missverständnissen vorzubeugen, habe ich eben auch noch die Bibel erwähnt. Für jemand, der nicht einfach auf dumme Unterstellungen aus ist, wäre somit absolut klar, dass ich nicht einfach alle die Mohammedaner sind in einen Topf werfe. Es gibt auch islamische Glaubensrichtungen, die absolut gegen jegliche Gewalt sind.

        „Nun, das alte Testament ist, freundlich ausgedrückt, auch barbarisch und voll von Vorschriften, die heutzutage nicht mehr nachvollziehbar sind. “
        Das habe ich doch gesagt. Oder hast Du, in Deiner Ereiferung es gar nicht für nötig gehalten, genau zu lesen, was ich schreibe?

        „Was denn nun?“ (Dahinter ein dummer Smilie, als scheist Du gescheiter wie ich…)
        Ja, das frag ich Dich: was denn nun??? Wie gesagt, ich habe nichts widersprüchliches geschrieben. Aber Du spielst Dich hier als Moralapostel auf und machst gleichzeitig von oben herab Unterstellungen. Ja was denn nun???

        „Der Koran und der Islam wird gerade von Leute missbraucht, die ihre eigene, rückständige Weltanschauung gerne mit Gewalt anderen aufoktroyieren möchten.“
        Der Koran kann nicht missbraucht werden. Der Koran an sich enthält lauter Stellen, wo einem die Haare zu Berge stehen könnten. Lies mal, was alles da drin steht. Die Stelle mit den Füssen und Händen abhacken ist noch längst nicht alles. Ausserdem hat Mohammed, so jedenfalls wird es überliefert, eine 6-jährige geheiratet und „eheliche Beziehungen“ mit ihr gehabt, als sie 9 war. Aber wie gesagt: andere Religionen haben genauso schlimme Details in ihren „heiligen“ Büchern. Letztlich sind es aber immer die Menschen, die etwas auf eine bestimmte Art auslegen, sei es in einer friedvollen Weise, sei es um ihre Gewalt damit zu entschuldigen.

        „http://www.kreuz.net – das sind Christen. Stimmst du mit der Meinung dieser Menschen dort überein? Sie fordern teilweise heftige Sachen, ist das in deinem Sinne?“
        Ich kenne die Seite nicht, kann also nur vermuten, dass sie recht extreme, menschenverachtende Sachen fordern, und das mit dem Christentum begründen. Ich frag mich echt, wie Du nur darauf kommst, dass das in meinem Sinne sei… Echt…. Wie kommst Du bloss auf sowas??? Du kennst mich doch gar nicht.

        „Machen diese selbsternannten Krieger Gottes jetzt das Christentum barbarisch?“
        Ja. Schlicht und einfach ja. Menschen, die irgendeinen Text hernehmen und für sich so auslegen und zusammenzimmern und behaupten, dass das der Liebe Gottes entspricht und dabei andere Menschen verurteilen, unterdrücken und schlimmstenfalls sogar töten, diese Menschen machen eine Religion barbarisch.

        „Es steht keinem von uns zu, einem anderen Land vorzuschreiben, wie es regiert werden soll. “
        Es geht hier nicht um irgendwelche Art, ein Land zu regieren, sondern um grundlegende Menschenrechte. Das ist ein Unterschied. Du verwechselst wohl die Ebene von Gesetzen, mit denen man durchaus leben kann, auch wenn man sie vielleicht nicht mag, mit dem Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit an sich.
        Wenn es darum geht, einem Land vorzuschreiben, dass die Todesstrafe, Folter oder Verstümmelung unmenschlich ist, dann würde ich das diesem Land noch so gerne vorschreiben. Toleranz schön und gut, Autonomie schön und gut. Das hat aber spätestens dort ihre Grenzen, wo das Leben angetastet wird.
        Und um es auch hier nochmals zu betonen: Der Iran ist nicht das einzige Land, wo es diesbezüglich gewaltig hapert.

        „Wenn es ein Herrscher/Despot/Diktator übertreibt, wird er im Regelfall vom eigenen Volk vertrieben, weil die einfach die Schnauze voll haben. “
        Schön wärs.

        „Aber auch hier gilt: Wir können nicht mit dem Finger auf den Iran zeigen und bei den USA freundlich winken. Denn die Umsetzung der Todesstrafe dort ist auch nicht gerade das, was man mit Menschenrechten vereinbar nennen kann.“
        Ich dachte, mein Kommentar wäre klar genug, damit kluge Leute verstehen, dass es mir nicht um ein einzelnes Land oder eine einzelne Religion geht. Ja, die USA ist in diesem Punkt genauso verbrecherisch.

        „Willst du das jetzt zum 3. mal sehen, wie sowas funktioniert?…Willst du das wirklich?“
        Das fragst Du doch nicht im Ernst, oder? Oder bist Du tatsächlich so drauf, mir auch das noch zu unterstellen???

        „Erst wenn sich durchgesetzt hat, dass es eine grausame Strafe ist, erst dann wird die Strafe im Iran abgeschafft werden. Keine Sekunde früher.“
        Ach und wie soll die grausame Strafe denn abgeschafft werden? Indem es Leute wie Dich gibt, die von nicht einmischen reden und über Leute herziehen, die Unrecht ganz einfach als Unrecht deklarieren? Das erinnert mich an solche Politiker, die vor der Kamera den Diktatoren lächelnd die Hand schütteln…

        Barbara

        • Tierisch lange Antwort, relativ kurze von mir darauf. Ich könnte dir jetzt jedes Argument widerlegen, was dich wiederum noch wütender machen würde und dir das vermeintliche Recht geben würde, mich weiter zu beleidigen.

          Fakt ist: Meine Meinung zu Religionen, Iran im Besonderen und Islam im allgemeinen ist offenbar weitaus differenzierter als deine Sicht. Wenn jemand an das Spaghettimonster glauben möchte, dann darf der das. Das hat mich nix anzugehen. Solange er mich nicht missioniert, ist mir das auch wumpe, woran jemand glaubt. Ich sortiere Menschen primär danach ein, wie sie sich mir gegenüber verhalten, nicht jedoch woran sie glauben.

          Der Islam ist keine „barbarische“ Religion. Faktisch ist auch dieses ganze Gotteskriegertum kein Ausdruck einer wie auch immer gearteten Religion, sondern es ist reines Machtstreben, legitimiert durch einen religiösen Anstrich. Nach wie vor gilt: Diese Menschen sind NICHT gläubig. Sie verraten ihren eigenen Glauben, um ihre kruden Vorstellungen durchzusetzen. Aber ich fürchte, das Verständnis dafür fehlt dir ein Stückweit.

          Es ist einfach, von islamistischem Terror zu schwadronieren, ohne zu hintefragen, warum denn jemand so durchknallt. Wenn man weiß, wer der Böse ist, dann hat der Tag Struktur (copyright Volker Pispers).

          Zu den Steinigungen: Sie stellen im Iran eine Form der Todesstrafe dar. Und ich bin z.B. strikt gegen die Todesstrafe, da sie nichts besser macht aber sehr viele Dinge schlimmer.

          Primär jedoch ging es mir um diesen unglaublich schlimmen Film, der all das, was du kritisierst, zusammenmatscht, daraus eine Räuberpistole bastelt und daraus eine Islamkritik baut.

          Steinigungen sind jedoch für sowas ungeeignet. Nochmal: Warum musste eine gebürtige Amerikanerin sterben? Ist das Schicksal der verurteilten iranischen Frauen nicht dramatisch genug? Warum muss eine Geiselnahme in Berlin herhalten, die durch amerikanische Spezialtruppen beendet wird? Was soll dieser Mist? Und warum das geheulte Versprechen an der Leiche des getöteten Ehemannes, „dass man seine Geschichte verbreiten würde“.

          Ich wage die Behauptung, dass eine Frau, die ein Schicksal hat wie das geschilderte, NICHT gesteinigt werden würde. Nicht mit dem Background. Weil eben die iranische Regierung sehr genau weiß, dass sie den Amerikanern dann einen Einmarschgrund frei Haus liefern würde. Die Frau würde noch nicht mal verurteilt werden. Oder wenn, dann vor Strafvollzug begnadigt.

          Das ganze ist so abstrus und erweist dem erklärten Ziel „Weg mit der Steinigung“ einen Bärendienst. Revolutionen von oben funktionieren nicht. Sie müssen von unten kommen, wenn sie erfolgreich sein wollen. Die Geschichte hat das immer wieder bewiesen. Wenn eine Regierung versucht, Dinge zu ändern, die die Leute tatsächlich nicht wollen, dann klappt das nicht. Und je hitziger die Leute, umso wahrer ist das.

          Was dann tatsächlich bedeutet: Bevor man die Steinigung als Strafe in den islamischen Ländern abschaffen kann, *müssen* die Leute begreifen, dass die Strafe barbarisch ist. Erst dann hat eine Abschaffung erfolg. Denn änderst du die Gesetze ohne diese Voraussetzung, schaffst du die Steinigungen nicht ab. Die Leute greifen dann durchaus zur „Selbsthilfe“ aka Lynchjustiz.

      • Vorsicht, Tantchen: als „orthodoxer Jude“ versteht sich auch Michel Friedman! Was du meinst, sind vermutlich die „Ultraorthodoxen“, und selbst die sind alles andere als über einen Kamm zu scheren.
        Rabbiner wußten übrigens immer schon, daß biblische Texte nicht 1:1 auf heutige Wirklichkeiten anzuwenden sind. Daher die „pharisäischen“ Anpassungen, über die sich gerade westliche Leute gern mokieren. Von diesem „pharisäischen“ Geist hab ich aber leider in den herrschenden Strömungen des Islam nur wenig gefunden. Was der Einzelne, speziell wenn er in Europa lebt, daraus macht, liegt bei ihm; im Iran ist aber der fundamentalistische Islam Staatsreligion und -fundament.
        Überzeugen muß man da nicht „das Volk“, sondern die Mullahs. Denn der Iran ist nicht mehr Demokratie als das Dritte Reich.

        Übrigens, wo du Korea erwähnst: meinst du Nord- oder Südkorea?

  8. Im großen und ganzen würde ich Dir zustimmen, bis auf eines:

    „Er wurde von der Mehrheit der Iraner gewählt und der Rest der Welt hat das zu akzeptieren. Wenn das iranische Volk die Unterdrücker nicht mehr haben will, dann kann es sie verjagen“

    Hitler wurde auch von der Mehrheit der Deutschen gewählt; trotzdem musste, ja durfte die restliche Welt das nicht akzeptieren. Und das mit dem verjagen können… wie gut das in einer Diktatur funktioniert, haben wir ja bei den Protesten nach Achmadinejads gefälschter Wahl gesehen, nämlich eher nicht so gut.

    Aber ansonsten, nettes Blog, ich lese hier gerne mit.

    • Huhu 😉
      ob die Wahl gefälscht war oder nicht, werden wir wohl so genau nicht wissen. Das Problem an Ahmadinedschad ist nämlich: Die Städter wollenl den tatsächlich nicht. Entsprechend katastrophal sehen dann auch die Wahlergebnisse in Teheran und den anderen Städten aus.

      ABER: Die breite Masse der Landbevölkerung sieht das durchaus anders. Und das sind um einige mehr als Stadtbewohner. Es spricht viel dafür, dass er seine Wahlsiege auf dem platten Land einfährt, weil die Leute ihn als einen der ihren ansehen. Nimmst du allerdings nur die Ergebnisse in den Städten und rechnest die auf das ganze Land hoch, wie das hier in den Medien passiert ist, kann das durchaus so gesehen werden, als hätte er die Wahl gefälscht – ich glaube da aber nicht so richtig dran.

      Ahmadinedschad ist auch nicht das Problem da – das sind die Mullahs, die rückständiger als jeder Uralt-PC sind.
      Und Hitler ist keine komplette Parallele. Ja, er wurde gewählt. Und bis die Bomben hier gefallen sind, hatt er auch vollsten Rückhalt durch das Volk.
      Aber:
      Ahmadinedschad ist *nicht* für einen Genozid verantwortlich (oder mir ist da schwer was entgangen), der eine ganze Kultur ausrottet, weil sie nicht menschenwürdig ist.
      Hör dem Mann mal unvoreingenommen zu – SO abwegig ist gar nicht, was der da fordert. Nur ist es leider auch so: Sobald jemand Israel auch nur tatzenleise kritisiert, drehen alle Leute ab und murmeln was von antisemitisch.

      Und ich bin eher ein Fan davon, Freunde, die sich auf einem Irrweg befinden (und das ist bei Israel leider der Fall), auch mal zu kritisieren und zu sagen: „Freunde, so gehts nicht, ihr könnt so nicht mit Menschen umgehen“ als blind allem zuzustimmen, weils der Freund doch so schwer hatte.

      Und nein, ICH bin kein Antisemit. Ganz im Gegenteil zu Ahmadinedschad, der durchaus einer ist.

  9. Immer noch weitgehende Zustimmung – aber einen Fehler begehst Du dennoch:
    man darf Menschenleben nicht gegeneinander aufwiegen. Will heißen, nur weil die vom iranischen Staat ermordeten Ehebrecherinnen, Demonstranten, Schwulen etc. gegenüber den Opfern von Genoziden (Armenien, Drittes Reich, Kosovo, Afrika diverse) gewissermaßen in der Minderheit sind, macht es diese Verbrechen nicht weniger schlimm. Es handelt sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die immer zu verfolgen sind. Egal wieviele Opfer zu beklagen sind.
    Dass in der Realität leider erst hingeschaut wird, wenn solche Taten eine gewisse Größenordnung bekommen, ist dennoch eine traurige Tatsache.
    Bestialisch ermordet zu werden ist immer scheiße – egal ob es im Rahmen eines Genozids passiert oder einer staatlich verordneten Todesstrafe.

    P.S. Freunde, die sich falsch verhalten, zu kritisieren, ist richtig und löblich. Doch sollte man über alledem nicht vergessen, wer die wirklichen Feinde (im konkreten Fall des Frieden und der Menschenrechten) sind.

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