Also neee


Abszesse sind halt ne eklige Sache. Das ganze kann aber noch ne Stufe ekliger werden, wenn die Folie, die man einem auf den Sums da gekleistert hat undicht wird.

Für diesen Fall hat der Erfinder des Systems vorgesorgt:

Ersatzfolie. Draufgeklebt und Ruh is.

Gut, das wissend, hab ich dann mal grad die Schwester angefunkt, dass die mal ein bisschen Kleister mitbringen soll und dann ist das alles wieder dicht. Datt suppt grad. Doof.

Praktisch darf man sich das so vorstellen: Von unten wird die Folie wie ein Pflaster aufgezogen, dann auf den endgültigen Liegeplatz draufgepappt, die obere Folie (etwas steifer, damit nicht der Frischhaltefolieneffekt eintritt und der Klebende plötzlich mit Folie voll ist und nicht der beklebte *g*) nochmal kurz drüberstreichen, andrücken: Sitzt, passt, wackelt und hat Vakuum.

So die Theorie was bislang mit jeder Schwester prima klappte. Heute abend jedoch wars *etwas* anders.

Ich hab also, wie gesagt, die gute Fee mal rangeklingelt. Die ist mir in den letzten Tagen schon mal negativ aufgefallen, dass die sich beim Michelinmännchen-Ringe tapezieren etwas dämlich angestellt hat. Die guckt sich das also kurz an, drückt mir so ne Erwachsenenpampers in die Hand und meint:

„Wir gucken mal, wieviel da raussuppt und das sieht man am besten, wenn die Vorlage da liegt. Morgen muss dann evtl. der Verband gewechselt werden.“

Also, ich subsumiere:

Weil Madam zwei linke Pfoten beim Bekleben der Patienten hat, darf nicht nur ich in dem unvergleichlichen Duft der großen weiten Welt (Kinder, so ein Abszess ist wirklich unlecker) liegen, sondern meine arme Bettnachbarin auch. Und außerdem interessiert es die Dame einen feuchten Kehricht, dass meine Klamotten gepflegt versaut werden, wenn das Zeug da reinsickert.

Mahlzeit. In einer Stunde ist Schichtwechsel. Und die Nachtschwester ist super. Die macht das dann. Und eins ist mal sicher: Ein paar klare Worte in Richtung Nachtschwester werde ich dann auch noch verlieren. *grummeligguckt*

/update aufgrund penetranter Verweigerungshaltung meines Internetsticks, ordentlich zu funktionieren: Tapezieraktion erfolgreich abgeschlossen 😉

Zweite Sache heute:

Holla holla holla, ich hab Öhmchen aber mal schwerst unterschätzt. Die hat zwei Kinder. Eins arbeitet als Krankenschwester, das andere irgendwo im Büro, aber auch medizinische Ausbildung. Richtig verstanden hab ich das nicht. Und Öhmchen hat sich ihre Kinder gekrallt und befohlen: „Schlau machen. Mir sagen.“ – gesagt getan, beide Kinder haben Omi pflichtschuldigst auf russisch ausgiebig informiert. Auch welche Medikamente möglicherweise gegeben werden und welche Nebenwirkungen das hat.

Omi hat Angst, das merkt man. Sie weiß, dass die Zeit für sie nicht leicht werden wird. Und dass das Ende eigentlich schon feststeh. Wie sie sagte: „Chemotherapie nicht leicht werden. Aber für Oleg ich mache. Noch ein paar Monate, das wäre sehr schön.“ – und dabei hat sie gelächelt.

Ich hab mal beiläufig bei der Tochter, als die hier war, die Tipps von kall rüberwachsen lassen. Von wegen Kur mit beiden und so. Töchting wurde hellhörig und ist dann auch sofort zur Sozialarbeiterin getrabt. Keine Ahnung, was dabei rumgekommen ist, aber das geht mich auch nix an. Aber Töchting schien zufrieden.

Wenn man Oleg und Natalja so sieht kann man neidisch werden. Die beiden sind wie ein Baum, dessen Zweige so sehr ineinander verflochten sind, dass, sollte der eine Baum fallen, der andere mitgerissen wird. Sie tyrannisieren sich gegenseitig, es ist manchmal wirklich witzig, die beiden zu beobachten, wenn sie mit ihm aus irgendeinem Grunde schimpft und er zurückbellt. Aber unter alledem fühlt man die lange Zusammengehörigkeit, das WIR wo bei so vielen Leuten (auch bei mir) nur noch ein ICH ist. Und der gegenseitige hohe Respekt, den jeder vor dem anderen hat.

Ich weiß, dass ich das nicht könnte. Ich bin zu sehr gewohnt, alleine zu sein, als das ich eine zweite Person in mein Leben einbauen könnte. Und kommt mir nicht mit unverhofft kommt oft. Märchen gibts nur in Filmen 😉

Aber Natalja konnte es nicht nur, sie hat sich auch dabei ihre Würde bewahrt und ihren Stolz. Und ihren gesunden Mutterwitz, der mir wirklich fehlen wird, wenn sie morgen entlassen wird.

Ihr leckeres Gebäck, dass sie mir mitgebracht hat, allerdings auch *verfressenguck* das Zeug is wirklich sehr sehr lecker.

Ich wünsche ihr alles gute – und ich hoffe, die Nachfolgerin wird kein HäSchen. 😉

Veröffentlicht am 29. September 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Ich dachte früher auch, ich könne mich nicht daran, mit jemand anderem zusammenzuleben (IIIHHHHH!!!). Motto: solange ich zwei gesunde Hände hab‘, kommt mir keine Frau in’s Haus!

    Vor etwas mehr als drei Jahren hat’s mich dann doch erwischt – in genau drei Wochen wird geheiratet! Und ich denk‘, dass das bei uns zwei beiden auch fein werden wird (ob wir noch 67 Jahre schaffen, steht auf ’nem anderen Blatt).

    Und ganz ehrlich: Ich wusste zwar, dass mir was fehlte, was genau konnte ich aber nicht sagen – erst als ich meine Kleine kennenlernte, wusste ich, was da genau fehlte!

    🙂

    Sag niemals nie!

    😀

  2. Axo:

    ja – Verbandwechsel kann nich‘ jeder mit um…
    (aber ’ne Krankenschwester sollte das dann doch können! – Ich war bis vor 10 Jahren selbst Pfleger und ich würde mir das auch heute noch zutrauen)

    😉

  3. Ach ja, den richtigen Partner zu finden ist nicht einfach.
    Ich war früher auch der Typ, der nicht zu einer festen Bindung geneigt war. Nach meiner Sturm und Drang Zeit habe ich erstmal 4 Jahre Auszeit genommen.
    War auch ne schöne Zeit und ich konnte mir nicht vorstellen, ein Familienmensch zu werden.

    Dann habe ich damals meine Frau kennengelernt. Nach 6 Stunden haben wir schon besprochen, wieviel Kinder wir haben wollen.
    Inzwischen sind wir über 20 Jahre verheiratet und haben 3 Kinder. Ein Leben ohne meine Frau kann ich mir heute nicht mehr vorstellen und ich werde auch nicht darüber nachdenken, wie es wäre, plötzlich ohne sie zu leben.

    Es gibt Krankenschwestern, die nicht in der Lage sind, eine Spritze halbwegs vernünftig zu setzen. Aber ein Verband ist nun wirklich keine Magie. Da hat offensichtlich jemand seinen Beruf verfehlt.

  4. Bei solchen Krankenschwestern geht einem echt die Galle. Hoffentlich ist dein oller Abszess bald abgeheilt.

    Das mit den Partnerschaften – ich war auch mal der Ansicht, dass ich ein Einsiedlerkrebs bin – aber ich zog dann doch vor 12 Jahren mit einem anderen Einsiedlerkrebs zusammen in unsere Anemone und siehe da: es passt und manche sagen, wir hätten eine symbiotische Beziehung…

    Kekse = ich beabsichtige demnächst mit meiner Keksebackerei anzufangen – sag mir eine Adresse und ich schick dir eine volle Keksdose (mit diesen Sorten: http://www.diebrain.de/rezepte.html – links). 😉

  5. Märchen erlebt man jeden Tag! 🙂
    Ob es nun eher wie im Krimi der Leher ist, der der Columbo-like (ach ja – eine Frage hätte ich da noch) das Tantchen im KH aufspürt und die folgenden Anschläge alle überlebt, oder Oleg und Natalja, die trotz all der Jahre immer noch Liebe und Respekt für einander empfinden, oder eben das Tantchen, dem im KH liegend nach einigen Rückschlägen immer noch nicht das Mundwerk (ok, die Finger auf der Tastatur) versagt.
    Deine anderen Drehbücher liegen vielleicht auch schon beim Produzenten! *grins*

    Ganz viele Genesungswünsche sendet
    S.

  6. Ich reiche ein „r“ für den Lehrer nach.

    S.

  7. Kuck mal, T.J., die wollen dich alle verkuppeln! 😀

    Ich hab allerhöchste Hochachtung vor alten Paaren. Jedes hat so sein eigenes Rezept, wie es so lange durchgehalten hat – aber ich glaube, bei allen gehört ein wenig dazu, was mir mal ein alter Mann gesagt hat: „Man muß halt jeden Morgen beim Aufstehen wieder die Entscheidung treffen: ich liebe sie. Und dann geht alles.“
    Das wird’s sein. Und wenn man das jeden Morgen aufs Neue tut, dann bleibt die Liebe auch jung, denn sie ist ja erst vom selben Morgen.

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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