Kristallaurahokuspokusdingens


Man wird älter. Frau auch. Rücken schmerzt, Schulter tut weh und das ganze strahlt bis in die Fingerspitzen aus. AUA.

Die Diagnose braucht mir bei sowas keiner zu sagen: Rippengelenke wieder mal verbogen. *seufz*

Aber da es nicht sein kann, dass das ein Dauerzustand ist, dacht ich mir: Gehse ma zu Ottopäten, der hilft dich dabei und macht datt richtich.

Dachte ich.Wie gesagt: Die Diagnose kenn ich ja. Schmerzhaft, nicht wirklich was wildes und schnell zu beheben. Rippengelenke einrenken und *schwupps* Wunderheilung.

Aber ich bin ja Ferkelchen, ich teste neue Ärzte gerne mal an bezüglich „kann der watt?“ und mach erstmal ne umfangreiche Symptombeschreibung und lass dann untersuchen. Soll ja was tun für sein Geld. Und wichtig für mich: Ich weiß spätestens nach den ersten Minuten, wo ich die Praxis einsortieren muss. In „noch nicht abbezahlt“ oder „kümmert sich um Patienten, nicht um Kohle“ – mit den Facetten dazwischen.

Frau Doktor kam also rein, schüttelte meine Schulter durch, prüfte die Beweglichkeit und tastete dann die Wirbelsäule ab. Ich glaub mal meinen bisherigen Physiotherapeuten, wenn die mir sagen, dass man das fühlen kann, wenn die Gelenke raus sind.

Erste Geschichte: „Müssmer Röntgen“.

„Mhm, ich hab aber gestern erst ne Mammographie gehabt?“

„Ist nicht so schlimm, sie können ja keine Kinder mehr bekommen“

=> innerlich knallt eine Hand auf den Buzzer und es ertönt: „MÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖP“ FAIL

Gut, Tantchen trabt runter zur Röntgenabteilung. „Gestern Mammographie“ „is noch im Rahmen, Bilder können wir machen.“

=> MÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖP

Bilder wurden gemacht (VIER Stück, 2x HWS, 2x BWS)

Tante Doktor kam, guckte sich die Bilder an und meinte „Die HWS sieht gut aus, frei beweglich, keine Knochenprobleme“

=> MÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖP

Ich hab vor 20 Jahren nen angebrochenen Halswirbel nach einem Unfall gehabt. DAS SIEHT MAN WENN MAN NICHT BLIND IST.

Danach die knallharte Diagnose: „Die Brustwirbelsäule ist schief, das ist nur, wenn die Rippengelenke nicht richtig drin sind. Wir spritzen nicht, wir machen ein paar Anwendungen, dann wird das besser“

=> MÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖP

EINRENKEN. Nicht ANWENDEN.

Aber nun gut, was für Anwendungen stellte sich denn Frau Doktor vor? Nun, in der praxiseigenen Anwendungsabteilung sollte ich mit dem HydroJet Massagen bekommen und außerdem Infrarotbestrahlungen.

Als ich mich drauflegte auf das Ding – ausprobieren kann man ja mal – meinte ich noch: „Können sie bitte noch ein Rezept für Physiotherapie fertigmachen?“ Die Dame versprach nach kurzer Diskussion, sich drum zu kümmern und ich lag dann auf dem Ding. Das kann man sich in etwa wie in einer Waschanlage vorstellen: Lauwarmes Wasser wird nach einem bestimmten Muster auf den Rücken geknallt. Reizt die Haut etwas, aber die Muskeln sind davon recht unbeeindruckt. Bei Autos mag das funktionieren, bei mir waren die Wasserstrahlen (Gartenschlauchstärke) aber immer haarscharf an den schmerzenden Partien vorbei.

Als sie kurz reinkam und meinte „gehts ihnen gut?“ meinte ich: „Jojo, is ja harmlos das Ding. Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen dem hier und ner normalen Massage“

Dem nachfolgenden rumgestottere entnahm ich, dass der Unterschied darin liegt, dass bei dem HydroJet die Zahlungen der Krankenkasse in der Praxis bleiben.

Als ich fertig war, bin ich dann vorne reingedackelt und dann wollte man mir Bestrahlungen und weitere HydroJet-Sitzungen verschreiben. Wohlgemerkt:

Mir tat immer noch alles weh, alles was die Praxis gemacht hat, war zu IHREM Nutzen nicht zu MEINEM. Ich bin da hingegangen und habe eigentlich nur Krankenkassengelder verpulvert. Und dann sollte ich weitere Termine für Behandlungen machen, deren Nutzen für diese Art Erkrankung genau bei Null liegt. Ich mein, hallo? Die Rippengelenke sind ausgerenkt. Die Behandlung hätte sich auf exakt 5 min beschränken können, wenn man die eingerenkt hätte.

Aber nein, 10x Infrarotbestrahlung in der Praxiseigenen Anwendungsabteilung und außerdem diese bescheuerte HydroJet-Massage, die ungefähr so sinnvoll und wirksam ist wie ein naturheilkundliches Globuli.

Ne, sorry. Der Buzzer ist fast zusammengebrochen, so laut hat der gebrüllt, der Laden sieht mich nie im Leben wieder. Ich will, dass MIR geholfen wird und nicht der Praxis.

Veröffentlicht am 1. Juli 2011, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 20 Kommentare.

  1. ^^ Du hast nicht zufällig einen latenten Hang zum Masochismus? Das hätte ich mir gar nicht gegeben, ich wäre schon nach 5 Minuten gegangen..

  2. JA, ja, wenn einem langweilig ist, lässt man selbst so etwas klaglos mit sich machen… 😉

  3. Scheint ’ne Art automatisierte Unterwassermassage ohne Wasserkontakt zu sein. Völliger Blödsinn.

    Das KANN man nicht automatisieren. Ich steh an sich auf diese Art Massage (die echte UW-Massage), hat mir bei den Verspannungen nach Bandscheibenvorfall immer gut geholfen. Nee, nich immer, nur meistens, weil: Das muss jemand machen, der Ahnung davon hat und sich GENAU anguckt, wie die Muskulatur reagiert, sonst erreicht er ggf. das Gegenteil von dem, was man gern hätte. Einer in einem bekanntem deutschen Heilbad konnte das nicht und hat in einer Sitzung verschlimmbessert, was ein anderer, kompetenterer in 5 Sitzungen vorher mühsam gelöst hatte, bei dem hab ich mich geweigert, nochmal in die Wanne zu steigen. Leider hat in meiner Gegend grad der letzte, der das konnte, seine Massagewanne aus Kostengründen abgeschafft, tilt. Die kriegen dafür nämlich nicht mehr Kohle als für eine normale Massage, obwohl sie die Technik vorhalten und warten müssen.

    Da is so ’ne Maschine in der Praxis natürlich gut, die braucht nämlich fast kein Personal, aber eine Maschine kann sowas eben nicht können. Ach ja, und die Ruhezeit und Nachschwitzen fallen auch weg. Wie toll, da ist der Patient eine halbe Stunde schneller wieder aus der Praxis. Aber die Nachbehandlung war für mich immer ein essentieller Teil der Therapie, ohne den das Ganze zumindest weniger efektiv gewesen wäre.

  4. Ich hab auch mal auf diesem Wasserbett gelegen. Ich fand es so unangenehm wenn das Wasser neben meinem Ohr unter das Plastik donnert.

    Ergebnis: Recht entspannt draufgelegt und total verspannt runtergekrochen. So kann man sich seine Patienten auch selber machen.

  5. Spätestens nach der Bemerkung mit dem Kinderkriegen wär‘ ich wech gewesen!

    Naja – hast tapfer durchgehalten.

    😀

  6. Ach, hört mir doch auf mit Ärzten…. Ich hab gerade einen vierwöchigen Ärztemarathon hinter mir, und ausser einem etwas chaotischen Blutbild wurde nichts diagnostiziert (Anmerkung: ich habe ja nur in drei Wochen mal eben 10kg Gewicht verloren, morgens totale Gelenkschmerzen beim Aufstehen und Gehen, naja, in der Zeit glich ich eher einem schlurfenden Zombie, geschwollene Gelenke, vor allem die linke Hand, aber je nach Arzt sind solche Symptome anscheinend nebensächlich). Bei der geschwollenen linken Hand wurde ein entzündeter Insektenstich diagnostiziert, ich ins Krankenhaus gekarrt und mir dort eine Gipsschiene nebst Antibiotika verpasst. Hat nur nicht geholfen, und irgendwann hatte ich so die Schnauze voll, dass ich mich freiwillig hab ins Krankenhaus (nicht das mit der Gipsschiene, da war das Vertrauen weg) einweisen lassen. Die haben endlich mal das getan, was die Ärzte seit Wochen nicht schafften: mich von einem Spezialisten untersuchen lassen, der endlich eine Diagnose stellen konnte, und nach einer entsprechenden medikamentösen Behandlung verschwanden auch die Schmerzen und Schwellungen und ich kann nach langer Zeit endlich wieder schmerzfrei gehen.

    Bei schwerwiegenden Problemen würd ich das wohl jederzeit wieder so machen und gleich ins Krankenhaus gehen, statt mich vier Wochen von Ärzten pieksen, abhören und vermessen zu lassen.

  7. Ach also was willste denn Tantchen: immerhin biste behandelt worden und das nicht nur mit irgendwelchen schicken Orgonstrahlen, Magnetfeldbändern, bunte Farben, Stärkekügelchen oder Handauflegen – nein, es gab Wasser und Röntgenstrahlen… 😉

    Wenn ich so an meinen letzten Bandscheibenvorfall denke: 6 Ärzte, 5 falsche Behandlungen (von Akupunktur (und nein, auch nach den Studien glaub ich immer noch nicht dran), Psychotherapie, weil ich ja offensichtlich psychosomatische Schmerzen habe (klar doch, wer so aussieht wie ich, der muss einfach einen Knall haben) oder tatsächlich Aromatherapie (kein Witz – bei einem Bandscheibenvorfall)…. da stehst du mit dem Wasserdings doch echt gut da 😉

  8. welch ein Glück für mich, dass mein Hausarzt (Allgemeinmediziner) nebenbei noch Sportmediziner und Chiropraktiker ist: ein – manchmal „unsanfter“ – Handgriff un Ruh‘ is‘ 😀

  9. zum Thema „Rücken schmerzt“ tröste ich mich immer damit, dass ich offenbar noch Rückgrat habe
    .. is‘ doch auch was 😀
    Bessere Dich 😉
    Liebe Grüße
    Hajo

    • Selbsttherapie: Wanne 2 Stunden. Danach auf den Boden geleht, Fsse ber den Kopf und dann ausgeatmet. KNACK und zumindest die wichtigsten Gelenke wieder drin. Guter Tipp vom guten Kollegen. 🙂

  10. Ärzte!
    Ich war kürzlich bei meiner Hausärztin, weil ich das Gefühl habe, dass mein Gedächtnis nachlässt. Die war ja noch clever und hat ihre Kompetenz nicht überschritten. Sprich: Sie schickt mich zum Spezialisten (Neurologe / Psychiater).
    Dort bekomme ich kurzfristig einen Termin (wirklich wahr). Und egal, wen man fragt, der gilt als besonders gut.

    Dort angekommen, gibts erstmal einen netten Plausch zum Auflockern der Atmosphäre, wobei er sich an mein Problem ranarbeitet. Ich erkläre die Symptome und erkläre auch, dass mir bewusst ist, dass man, wenn man es erstmal bemerkt, evtl. jede Kleinigkeit bemerkt, die früher nicht aufgefallen wäre. Also eine Form der Übersensibilisierung für das Phänomen. Außerdem hat mein Vater mehrere Schlaganfälle gehabt. Die meisten davon unbemerkt, bis zum großen Knall.
    Danach kommen ein paar Koordinierungsübungen und eine US-Untersuchung der Halsschlagadern (Blutfluss zum Gehirn und so weiter). Alles im grünen Bereich. Ich habe also nichts. Vermutung: Stresssyndrom. Nee, das kenne ich und wirkt sich ganz anders bei mir aus. Hatte ich schon 2 mal.
    Fazit: Ich habe nichts. Gedächtnis ist normal. Laut Arzt, soll es sich um eine kurze Überlastung meiner Kopf-CPU gehandelt haben und ich wäre jetzt einfach überempfindlich. Anders gesagt: Er hat keine Ahnung, was ich habe. Zumal ich darauf auch schon selbst gekommen bin.

    Demnach eine überflüssige US-Untersuchung (OK, kann auch nicht schaden zu wissen, ob ich noch Blut im Gehirn habe). Gerät gehört zur Praxis, gibt also Kohle.
    Ein Untersuchung auf mögliche „kleine“ Schlaganfälle gabs auch nicht. Müsste vermutlich ein CT gemacht werden. Geht wohl nicht in der Praxis.
    Eine einfache Untersuchung meiner altersgerechten Gedächtnisleistung gabs auch nicht. Wie mir ein Bekannter aus einem Nachbargebiet der Psychatrie sagte, gehört das zum Standard. Ob es daran lag, dass ich der letzte Patient vor der Mittagspause war?

    Offensichtlich reicht es nicht aus, dass man als der beste Arzt in der Gegend gilt, wenn es kurz vor der Mittagspause ist. Die Sitzung war zwar sehr entspannt, aber ob mein Gedächtnis normal funktioniert, weiß ich offensichtlich immer noch nicht. Oder habe ich es vergessen? 😉

    Ärzte sind wirklich ein Volk für sich und ob einer gut ist, weiß man leider erst hinterher. Und auch das nur dann, wenn man schon Bescheid weiß, was man hat. Ist also bei mir nicht viel anders gewesen, als bei unserem Tantchen.

  11. Können halt fast alle nix. Außer Dr. House. 😉

  12. Aber bitte nicht immer gleich nebenbei auf die Globuli hauen… Das sieht so nach einer Litanie aus.
    Gute Besserung !

  13. Dieser Kommentar ist jetzt nicht unbedingt auf den Beitrag von Tante Jay bezogen, sondern mal ganz allegemein zu den anderen Kommentaren hier:

    Die schlimmsten Patienten sind doch immer noch die, die meinen alles besser zu wissen als die Ärzte. Die haben den Kram ja auch nur ein paar Jahre studiert, wer sind die schon? Alles Nichtskönner und sowieso (wieso muss ich hier jetzt bloß immer an die DAUs auf daujones.com denken? Die denken auch immer, sie wüßten alles besser).

    Also, nur mal so zum mitdenken: Eine Krankheit äußert sich durch Symptome. Das Problem ist jetzt aber: Krankheit A KANN sich durch Symptom X bemerkbar machen, MUSS aber nicht. Auch toll: Symptom X KANN auch zu Krankheit R gehören. Heißt also: Genauere Untersuchung muss erfolgen, bestimmte Dinge können ausgeschlossen werden, andere kommen hinzu, etc. pp.
    Dass der Verdacht erstmal auf die häufigsten Krankheiten fällt ist wohl logisch und von daher auch nachvollziehbar. Wenn man dann aber das Pech hat an einer eher seltenen Krankheit zu leiden… tja, das ist verdammt schlecht und nach einer wahren Odyssee nach einem Arzt der einem helfen kann ist man natürlich nicht gut auf diese Berufsgruppe zu sprechen. Aber man sollte sich doch mal die Zeit zum Nachdenken nehmen, WARUM einem vorher keiner helfen konnte.

    Zum Thema „Geld“: Die Ärzte können nunmal nichts dafür, dass das Gesundheitssystem so marode ist. Auch ein Arzt muss sehen, wie er mit seiner Praxis über die Runden kommt.

    Besonders toll fand ich den Kommentar von Oliver: „Ich bin ins Krankenhaus gegangen und da haben sie mir geholfen“: Aha, und in einem Krankenhaus arbeiten keine Ärzte?

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