Ich bin Pazifist, du Arschloch


Netter Titel, oder? Das Nachfolgende wird aber etwas weniger nett. Wie immer.

„Hatespeech“ heißt es so schön, wenn erwachsene Menschen mal wieder nicht wissen, wo die Grenze ist. Wenn sie wieder mal glauben, dass es völlig in Ordnung ist, andere „pipe exhaust fucker“ zu nennen oder „Silke“ in „Silky“ zu ändern.

„Hatespeech“ soll ja mit diversen Gesetzen reguliert werden. Ein mehr als halbherziger und vor allem hilfloser Versuch, das Medium „Internet“ so zu regulieren, dass darüber keine Kriege ausbrechen.

Am Ende steht dann etwas, was keiner will – was aber bei der nächsten Auseinandersetzung wieder kein Schwein interessiert. Da droht man wieder fröhlich mit Mord und Totschlag, teils ist man noch stolz darauf, diese psychotischen Ausbrüche „legal“ zu verbrämen, weil wenn man sagt „sei vorsichtig, dass du nicht eines Tages unterm Auto liegst“ ist das ja keine direkte Drohung. Man warnt ja nur. Man droht ja nicht.

Am Arsch die Waldfee.

Es ist mir an der Stelle auch sowas von wumpe, ob das jetzt Lechts oder Rinks betrifft – die Vertreter beider Seiten, garniert mit cherrypicking Genderhuschen sind da nicht mit Ruhm bekleckert.

Eine Diskussion läuft immer und immer wieder nach dem gleichen Schema ab. Es wird eine These aufgestellt. Die *könnte* man erkenntnisgewinnend so diskutieren, dass man bewußt versucht, den eigenen Standpunkt aber auch den Standpunkt des anderen so zu drehen, dass man möglicherweise Fehler findet. Man greift die Argumente des Diskussionspartners (nicht -gegners) an und versucht, sie zu zerstören.

Dazu braucht man Zeit, Verstand und eine gewisse sachliche Distanz. Alles rare Eigenschaften heutzutage.

Aber wenn man das schafft, kommen da echt teils richtig geile Ergebnisse raus. Manchmal stellt man fest, dass die eigene Position nicht wirklich haltbar ist und korrigiert das. Manchmal stellt man fest, dass das Gegenüber ein Arschloch ist und stellt die Diskussion ein. Damit hat der andere verloren – nicht gewonnen.

Und wie läufts jetzt in der Realität ab?

These wird aufgestellt. Kontroverse These.

Und spätestens ab dem 3. Post gehts dann los: „Wie kannst du es wagen <x> nicht anzuerkennen?“

„X“ ist dann wahlweise „bodyshaming“, „LGBTirgendwas“ oder irgendwas mit Minderheiten. Etwas, wo die Linke glaubt, sie hätte die Deutungshoheit drüber, was Bodyshaming, LGBT oder Minderheiten sind.

Es ist dann egal, wie lächerlich die Forderung ist: JEDE Meinung, die davon abweicht, die nicht von der „herrschenden“ gedeckt ist, darf nicht mal gedacht werden, sonst hagelt es tatsächlich Senge. Da werden dann fröhlich Existenzen vernichtet, indem man dem Arbeitgeber steckt, dass sein Mitarbeiter offensichtlich intolerant ist und da wird auch durchaus mal, in dem gloriosen Bewusstsein, man ist auf der „richtigen“ Seite, mit Mord und Totschlag gedroht.

Man ist ja schließlich Pazifist.

Und die andere Seite? Muss man denen lassen – die sind weniger subtil. Die sind da aus irgendwelchen Gründen sehr viel deutlicher. „Halt die Fresse du dummes Arschloch, sonst schlag ich dir den Schädel ein“ – Zitat Ende. Würde man *so* von Links nicht sehen. Da würde dann bei einem Täßchen Kamillentee ein Angebot diskutiert, das man letztlich nicht ablehnen kann. Oder man verliert halt den Job.

Halten wir mal fest:

In einer freien Welt muss man anderslautende Meinungen aushalten können. Nicht unwidersprochen und ganz sicher nicht ohne Konsequenzen, wenn diese Meinung der Struktur des sozialen Gebildes, in dem wir leben, entgegensteht (aka: „verfassungsfeindlich“, liebe Reichsbürgerdeppen).

In einer freien Welt droht man anderen nicht mit Mord und Totschlag, weil die der eigenen Argumentationskette aber auch so gar nicht folgen wollen.

In einer freien Welt ruft man nicht die Kavallerie in Form des Internet-Shitstorm-Mobs, weil man sonst nicht durchdringt.

„Freiheit“ ist nicht nur die Freiheit, die der Staat uns schenkt. Freiheit ist die Freiheit die wir uns im täglichen Leben nehmen, die wir aber verdammt noch eins auch anderen zu lassen haben – völlig egal wie unsympathisch die sind.

Wenn in einer Diskussion der Diskussionspartner unsachlich wird, ist das NICHT der Startschuß, dass man jetzt das Recht hat, selber unsachlich zu werden. Sondern dann hält man entweder die Backen oder versucht, das Gespräch wieder auf die Sachebene zu führen.

Wer das nicht packt, sollte nicht diskutieren.

Der kann ja von mir aus in nen Boxclub gehen und Sandsäcke verdreschen. Immer noch produktiver als im Internet mit Ausdrücken rumzupöbeln, die unter aller Sau sind.

Ende.

Veröffentlicht am 23. März 2018, in Wütendes. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Gute Zusammenfassung von dem, was da auf Facebook passiert ist.

    • Ich bin, ehrlich gesagt, immer noch geschockt – vor allem, dass die Leute, die an *MEINER* Wand kommentierten, trotz *mehrfacher* deutlicher Aufforderung immer noch nachgelegt haben.

      Willst mal lachen? Die waren *alle* Mitglied in der Gruppe „Challenge your beliefs“, gegründet, um halt mal NICHT im festgefahrenen steckenzubleiben, sondern um andere Sichtweisen zuzulassen. Nichts anderes hat Torsten gemacht – den vorhandenen Glauben herausgefordert. Und anstatt sich der Herausforderung zu stellen, sind die hingegangen und haben nen Lynchmob gerufen.

      Gehts noch?

      • aussichteinsicht

        Vielleicht eine etwas blauäugige Frage (ich habe da im Wesentlichen still mitgelesen, wenn ich auch den Showdown nicht mehr mitbekam) – warum hast du nicht einfach die Kommentarfunktion irgendwann – also vor der endgültigen Eskalation – deaktiviert?

        • Weil ich grundsätzlich sowas nicht mache. Hier im Blog ja. Aber Facebook war mehr so die „unfiltered“ Version. Da haben Erwachsene kommentiert. Zumindest Leute, die volljährig waren.

  2. Wer die Meinung anderer, sei sie noch so absurd, komisch, bräsig, nicht wenigstens tolerieren kann, sie ggf. widerlegt, sondern per se als nicht von der herrschenden Klasse anerkannt bezeichnet und die Posts dann löscht, handelt wie ein Despot, ein Tyrann, ein Diktator.

    Auch das Löschen von Posts, welche die Meinung oder Argumentation anderer widerlegt oder auch nur in Frage stellt, das Beleidigen und temporäre Sperren des Autors werden gerne praktiziert.

    Wehe, wehe, man macht diese Leute dann darauf aufmerksam, dass eine Gruppe/Partei/Gesprächsrunde mit „demokratisch“ im Namen oder Untertitel, sich solcher Praktiken enthalten sollte.

    Da fliegt man dann.
    Kommentarlos.

    Aber man ist, unglaublich aber wahr, wieder frei!

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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