Schutzringe sind Humbug. Immer.


Es vergeht doch wirklich kein Tag, wo man nicht über irgendwas stolpert, bei dem man sich denkt: „Hey. Da hats einer so gut verstanden, dass er tatsächlich damit Nebelkerzen werfen kann“.

Wenn sich das auf irgendwelchen obskuren kleinen Blogs wie dem meinigen abspielt geht das ja noch. Aber wenn diesen Rattenfängern auch noch eine große Plattform geboten wird, wo man dann seinen Mist abladen kann, wirds böse. Ich geh mal ranten.

Esoterik, Schamanistenglaube…das alles hat mit Naturwissenschaften aber mal auch gar nix zu tun. Es gibt in der Naturwissenschaft eherne Prinzipien: Kann ichs beweisen? Und kann ich die Beweisführung von Leuten, die das nicht aufgebaut haben, anhand meiner Anleitung wiederholen lassen?

Wenn beides mit „JA“ beantwortet wird, hat man den Beweis. So hat Newton seine Theorie aufgestellt, so hat Einstein seine Relativitätstheorie erarbeitet. Sie ist errechenbar, nachprüfbar.

Schamanen, Esoteriker, Heilpraktiker, Homöopathen: Sie alle arbeiten mit „ich glaube daran“. „Es ist meine Erfahrung“ – und das ist nicht reproduzierbar.

Nicht umsonst sind alle Studien, die irgendeine Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln festgestellt haben wollten, ziemlich neben der Spur. Der Placebo-Effekt bringt einen halt nur so weit und nicht weiter. Und nein, liebe Leute. Phytho-Medizin ist NICHT homöopathisch. Dazwischen liegen Welten, auch wenn das gerne vermischt wird, um Leitungswasser und Würfelzucker als Medikament zu legitimieren.

Und kommen wir jetzt zum Grund für meinen kleinen Rant.

Der Standard hat einen Artikel rausgekloppt, wo jemand evidenzbasierte Wissenschaft als „Glaubenssystem“ und „Ideologie“ verbrämt.

Ihr dürft dreimal raten, als was dieser Mensch arbeitet? Yep. „Schamane“. Das ist seine Berufsbezeichnung. Und na-tür-lich kann er die Kritik an seinem Berufsstand nicht stehenlassen, weil die natürlich dafür sorgt, dass ihm Einnahmen von den Deppen flöten gehen, die seinen Bullshit da normalerweise glauben.

Glauben. Man muss dran glauben. Es gibt keine Beweise – die braucht man nicht, wenn man glaubt.

Und dieser Mensch wagt es tatsächlich, atheistische Philosophen zu ziteren, um seine eigene Glaubenslehre zu legitimieren und evidenzbasierte Wissenschaft, die reproduzierbar dieselben Ergebnisse mit demselben Versuchsaufbau produziert als „Glaubensideologie“ zu diffamieren. Achtet bitte auf die Wortwahl: „empirisch überprüft“ hat keinerlei Beweiskraft. Empirisch überprüfen kann ich auch, ob Schweine fliegen können. Wenn von 10 Leuten 8 mit „ich habs gestern noch gesehen“ antworten, hab ich empirisch den Beweis erbracht, dass sie’s können.

Aus dem Flugzeug werfen würd ich die trotzdem nicht.

Wisst ihr, immer, wenn ich das Wort „Lügenpresse“ höre, kommen mir nicht Artikel über Flüchtlinge oder irgendwelche politischen Artikel in den Kopf. Nein. Es sind Artikel wie diese hier, die nachhaltig die Glaubwürdigkeit des Journalismus untergraben und Wissen vernichten – und durch Glauben ersetzen.

„Schutzringe“ sind Humbug. Immer.

Oh, und an den Standard: Man darf euch nach DEM Ding offiziell nicht mehr ernst nehmen.

Veröffentlicht am 8. April 2018, in Ärgerliches, Facepalm der Woche. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 24 Kommentare.

  1. *Artickel les* Wow … Krebsheilung durch handauflegen. Das ist wie Wunderheilung durch Engel … *headdesk*

    Der Shamanismus hat vieleicht bei phytomedizin und bei frühen versuchen der Psychotherapie geholfen – aus der Aufgabe heraus als eine art Protopriester der dem Stammeszusamenhalt sichern und die Natur deuten sollte – aber meine Fresse mehr sollte dem ganzen nicht zuschreiben. Mehr schreib ich dem auch nicht zu und ich treib mich schon auf entsprechenden Hexen und Schamanenstammtischen rum (da gibts auch genug Streitereien).

    Ein Krankenhaus ist keine Kirche und keine Medizin- oder Schwitzhütte.
    Ein Krankenhaus ist rein dazu da effecktiv Krankheiten, Verletzungen und derren Folgen zu heilen. Dafür bezahlen wir Krankenhäuser auch mit Steuermitteln, Kassenbeiträgen etc.
    Ein Schutzring mag einigen ein gutes/sicheres Gefühl geben (was psychologisch einen kleinen Wert haben kann) aber jeder Euro der in Medikamente, Schwestern, Desinfektion und Reinigungspersonal fließt rettet real Leben.

    Für alles abdere kann man sich privat an Priester, Schamanen etc. wenden aber eben privat.

    Allein der Vertrauensverlust den ich habe wenn mir im Krankenhaus Globuli und Konsorten angeraten werden ist enorm. Das ist bei einem Schutzring doch genauso suggeriert es doch das die Krankenhausbesitzer selbst kein vertrauen In Ärzte und Schwesternschaft haben.
    Ausserdem ist es ein Zeichen für diverse Spinner das sie in Krankenhäusern willkommen sind was ich nicht gutheißen will.

  2. wieso soll Schamane keine Berufsbezeichnung sein? Pastor oder Pfarrer ist das doch auch und das kann sogar studieren. Der Unterschied ist für mich den Schamanen bezahle ich, wenn ich mich aus freiem Willen dafür entscheiden, den Priester füttere ich über Steuern zwangsweise mit.

    • nun. Pastoren und Pfarrer geben nicht vor, Menschen heilen zu können. Schamanen tun das durchaus. Und zwar mit weniger Boden unter den Füßen als Pastoren und Pfarrer haben.

      Schamanen können sehr wohl töten. Pastoren und Pfarrer nur dann, wenn sie völlig neben der Spur sind und plötzlich glauben, Menschen gesundbeten zu können.

    • Ich zahle übrigens keine Kirchensteuer. Keinen Cent. Schon viele Jahre nicht. Weil ich aus der Kirche ausgetreten bin. Wenn man die Mitgliedsbeiträge zu dem Verein nicht zahlen will, muss man das nicht.

      Davon ab: Priester erzählen todkranken Menschen auch nicht, dass sie geheilt werden können, wenn sie nur *xxx* für einen mehrstelligen Eurobetrag kaufen würden. Regelmäßige Behandlung natürlich vorausgesetzt.

      Schamanen tun sowas.

      • Der deutsche Staat bezahlt aber diverse Gehälter, z.b. der Bischöfe, Militär und Knast-Seelsorger aus Steuergeldern genauso wie diverse Zuwendungen die vor bald 200 jahren vereinbart wurden.

        Insgesammt geht auch ein Teil deiner Steuern an die eingetragenen Religionen.

        • Ja. Und ein Teil geht auch an die Rüstungsindustrie, an irgendwelche Dinge, die ich nicht gutheiße. Das ist bei Steuern immer so, das ist unvermeidlich.

          Explizite Mitgliedsbeiträge sind eine ganz andere Sache.

          • Es ging Antara ja auch nicht um expliziete Mitgliedsbeiträge sondern un die Staatliche zuwendung – so hab ich das verstanden.

            *kopfkratz* An sich hat sie ja recht, wenn man sich als [Religöses personal] bezeichnen darf so wäre es nur fair das [anderes Religöses Personal] das auch darf.
            Dazwischen liegt aber der deutsche Staat der eine Religion und deren verfasstheit – also praktisch wie bei nem Verein – erstmal anerkennen muss. Daher, Schamane ist keine Berufsbezeichnung weil es keinen Verein gibt der von Staat anerkannt ist und ggf. diejenige Person ordonieren kann.
            Darum sind viel Schamanen u.a. auch Heilpraktiker.

            Insgesammt machts die Sache aber nicht besser.

            • Ich hab das schon verstanden – nur: Das geht am Punkt vorbei. Ob „Schamane“ eine Berufsbezeichnung ist oder nicht, ist völlig hupe.

              Dieses gierige Rattenfängerpack verursacht echte Schäden. Finanziell und sehr real, wenn sie versuchen, zu „heilen“.

              Wenn sie das mit Krebskranken versuchen, sind sie Mörder.

              Da gibts tatsächlich kein „dazwischen“.

  3. ein anderer Stefan

    Was bitte soll denn ein Schutzring überhaupt sein? Das kenne ich nur als magischen Gegenstand im Fantasy-Rollenspiel – aber sonst so?

  4. Menschen brauchen einen Mechanismus, womit sie etwas dass sie selbst nicht erfassen oder erklären können, mit ihrem Gewissen vereinbar machen.
    Und vor 200 Jahren stand da durchaus noch der Pfarrer und meinte: „Kind, wenn Du nur den richtigen Glauben bewahrst, so wird alles gut werden.“ oder „Das ist Gottes Weg für Dich bestimmt.“
    Die Kirche ist aber nicht mehr populär (was ich sehr gut finde, aber das ist ein andere Thema) und nun braucht der Mensch andere Projektionsflächen.
    Ob das Globuli, Schamanen oder whatever sind ist eigentlich egal. Gemein haben sie eines:
    – Anscheinend hat es schon funktioniert (beim Onkel der Schwester von der Nachbarin etc.
    – Irgendjemand verdient damit ordentlich Geld
    – Es basiert auf der Dummheit der Leute

    Somit stehen Schamanen und Pfarrer für mich auf einer Stufe. Sie haben sich nur mehr oder weniger angepasst.
    Für wen Globuli funktionieren, der soll sie nehmen. Wenn er dafür die Schulmedizin links liegen lässt, ist das auch seine Sache.

    Ich kann verstehen, dass Der Standard sich damit bei vielen (inklusive mir auch) mit solchen Artikeln unglaubwürdig macht. Wenn ich mir die aktuellen großen Medien, egal ob Print, Ton oder Internet anschaue, ist es aber überall das selbe. Es werden schlechte, tendenziöse oder absichtlich verfälschte Darstellungen abgeliefert. Manche davon (z.B. Frontal 21) werden sogar von meinem Geld Zwangsbezahlt.
    Richtigen Journalismus muss man heute mit der Lupe suchen. und selbst dann kann man ihn kaum von gut gemachten Unfug unterscheiden, wenn man die Materie nicht ohnehin schon kennt.
    Von daher fällt der Artikel schon fast unter „Unterhaltung“, oder wir helfen Darwin auf die Sprünge…

    • Da gibts nur ne dicke Lücke in deiner Argumentation. Die geht nur auf Erwachsene ein. Nicht auf Kinder.

      http://www.praxis-für-geistiges-heilen-und-schamanische-heilarbeit.de/schamanische-heilarbeit-f%C3%BCr-kinder/

      • Stimmt. Da tut sich aber eine generelle Lücke auf finde ich. Sollten Eltern für die Gesundheit ihrer Kinder verantwortlich sein, oder nicht?
        Sollte Eltern, die ihren Kindern bestimmte Therapien vorenthalten oder aufzwingen, das Bestimmungsrecht über die Gesundheit ihrer Kinder abgeben müssen?

        Die ganzen U1-UX Untersuchungen bei Kindern sind schon verpflichtend. Muss ich mit dem Kind bei Erkältung dann auch zum Arzt, oder darf ich noch den Hustensaft vom letzten Monat verwenden?

        Wird das Sorgerecht mit Anmeldung beim Heilpraktiker gleich entzogen?

        Oder muss eine Verfehlung der Eltern nachgewiesen und dann bestraft werden?

        Ab welchem Alter wären Jugendliche dann medizinisch mündig?

        • So viele Fragen sind das nicht und können leicht beantwortet werden.

          1. Grundsätzlich ja.
          2. Ja. Definitiv. Das geschieht auch schon – siehe Olivia Pilhar z.b.
          3. Kommt auf die Schwere der Erkrankung an. Nicht wegen jedem Histörchen, aber wenn Fieber oder schwere Abgeschlagenheit dazukommen definitiv: Ja.
          4. Sollte.
          5. Die Anmeldung beim Heilpraktiker für das Kind ist bereits eine solche Verfehlung. Eltern nehmen die Gesundheitsfürsorge an Stelle der Kinder wahr, weil diese das noch nicht können. Eine Anmeldung beim Heilpraktiker steht auf einer Stufe mit dem Gesundbeten – kriminelle Vernachlässigung.
          6. Ab 14 – da biste strafmündig, da kannste auch deine medizinischen Dinge regeln. Zumindest den alltäglichen Kram.

          • Zu 4./5.:
            Heilpraktiker sind durchaus in der Lage, korrekte Diagnosen zu stellen und solche, die etwas auf sich halten, ver-/überweisen an einen Allgemeinmediziner oder Facharzt.
            Heilpraktiker sind keine Globuli.
            Und die Konsultation eines Heilpraktikers setzt ja nicht voraus, dass nicht sowieso ein Allgemeinmediziner oder Facharzt aufgesucht wird.
            Ich befürworte „alternative Heilmethoden“ durchaus nicht immer und grundsätzlich, in 99% der Fälle ist ein echter Arzt die bessere Wahl.
            Bedenken sollte man also habenlich zu kriminalisieren, ist IMHO nicht nur leicht übertrieben.

            • Heilpraktiker sind sehr wohl das menschliche Äquivalent zu Globuli. Im Grunde genommen kannst du nach ner Schreinerausbildung ne Erlaubnis zum Heilpraktiker beantragen. Ein Multiple-choice-test später hast du die Erlaubnis und kannst Menschen behandeln. Eine Ausbildung ist NICHT erforderlich.

              Diese ganzen „Heilpraktiker-Schulen“ sind freiwillig und dienen nur zum Zertifikatserwerb, damit man den Krempel besser verkaufen kann.

              Unter den Voraussetzungen ist die Aussage, dass Heilpraktiker durchaus in der Lage sind, Diagnosen zu stellen, recht gewagt. Diagnostizieren tun sie, laufend. Nur ist jedesmal die Frage, ob es auch die korrekte Diagnose ist.

              • Das ist Deine Ansicht, ich habe, auch, andere Erfahrungen gemacht.
                Unter anderem mit nem Heilpraktiker gesprochen.
                Die meisten sind, da gebe ich Dir Recht, tatsächlich Scharlatane, aber eben nicht alle.

  5. Für einen Versuch melde ich mich freiwillig. Ich streichle ihn ein wenig mit einem Baseballschläger und er heilt sich hinterher per Handauflegen. Klappt das, glaub ich ihm.

  6. Ich hätte auch noch nen Meinungsverstärker, den ich zur Verfügung stellen könnte.

  7. Wollt ihr mitmachen oder soll ich alles allein ausprobieren? *grübel*

  8. Dein Auto oder mein Auto?

warf folgenden Kuchen auf den Teller

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