Archiv des Autors: Tante Jay
Schulen in Deutschland
Ich hab bei Volker Pispers – bei allem Humor, den er mit reinbringt – immer das Gefühl: Verdammt, der hat recht. Wieso hört da keiner hin?
Bestes Beispiel, weils meine Arbeit direkt berührt, findet man hier.
Liebe Leute, der Mann hat recht. Das Beste was wir haben, ist für unsere Kinder gerade genug.
Aber anstatt das wir unsere Energien in unsere direkte Zukunft stecken, dass wir die Gelder da reinpumpen wo sie hingehören: In Schulen, Kindergärten und Erzieherausbildung, wo geht die Kohle hin?
Nach Opel, wo 150.000 Wähler sind. Kinder wählen nicht, Opelaner schon. Diese Wähler kauft man jetzt mit Steuergeldern. Dass Opel seit Jahrzehnten Defizitär ist, dass alle Patente bei der Mutter GM liegen, die die Patente hält und als Sicherheit für die eigene Rettung bepfandet hat – Wurscht. Da sind Wähler, die muss man zufriedenstellen.
In die Banken, damit die Wirtschaft nicht kracht. Das die längst tot ist und man nur noch einen Komapatienten am Leben erhält, interessiert scheinbar keinen.
Was mich gruselt, ist ein wenig, wie die Geschichtsbücher diese Zeit klassifizieren werden. Als eine Zeit, die die Kinder vernachlässigt hat, weil man sich selbst verwirklichen will? Als eine Zeit, wo der Staat lieber die Banker hofiert hat, die alles zerstört hat, anstatt die Zukunft aufzubauen und diejenigen, die diesen Staat tragen sollen?
Ich weiß es nicht. Und ich bin eigentlich auch ganz froh, DASS ich es nicht weiß.
Danke an Herrn Pispers für die Erlaubnis, das Video nutzen zu dürfen.
Sexistisch? Nicht doch….
Gerade am Telefon. Rückfrage wegen eines Angebotes, dass bei einer Firma noch offen ist – ich hab dasselbe nicht wahrnehmen kann, weil grad alles gestoppt ist. Wir dürfen nix ausgeben. Und wenn die Hütten zusammenbrechen. Erst Freigabe von der Aufsichtsbehörde abwarten.
Der Dialog war spitze:
„Sorry, ich kann nix ausgeben grad. Noch nicht mal Ersatzbeschaffungen für geklautes Zeug, es sei denn, es gibt Versicherungsersatz.“
„Tja, schon schlimm, wenn man als Frau kein Geld ausgeben darf“
…sagte die DAME vom Callcenter…
WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH
Das wird jetzt lange dauern, bis ich mich von DEM Schlag ins Kontor erholt hab…
Pressefuzzis
Ne, damit ist ausnahmsweise nicht mal die „Qualitätsjournaille“ gemeint. 😉
Wir haben ja einen Pressefuzzi. Der hat den Job von einem Kollegen übernommen, der das so 15 Jahre lang gemacht hat: Unaufgeregt, ruhig und zuverlässig. Der macht das aber nicht mehr – statt dessen hat er jetzt offensichtlich einen entlaufenen Entenhausener eingestellt. Und seitdem gehts rund.
Der Knabe wirkt auf mich wie ein Huhn, das grad ein Ei gelegt hat: Dem Geflatter und gegacker nach wars ein goldenes, aber guckt man mal genauer nach, hat man doch nur wieder ein simples Hühnerei im Nest. Aber das wird wenigstens ordentlich bestaunt.
Da bekommt man schon mal stolz eine Emailweiterleitung in den Postkasten, weil ein Bürger sich mal lobend über die Einrichtung hier geäußert hat. Nebst Klarnamen und voller Anschrift des Bürgers natürlich.
Die neueste Stilblüte von Kollege Turnschuh war auch grandios: Eine Umfrage an alle Mitarbeiter im Rathaus, was denn den „typischen Dörfler“ so ausmachen würde. Ich würde ja zumindest ansatzweise draus zitieren, weil das, was mir vorgelesen wurde, mal wieder herrlich ist.
Alldieweil: Diese Perle der Formulierungskunst unseres hektischen Freundes ist leider an mir vorbeigegangen.
Aus irgendeinem unerfindlichen Grund hab ich das nicht im Postkasten.
Mhm. Da werd ich mir mit meiner Lästerschnute doch nicht selbst ein Bein gestellt haben? Mal recherchieren gehen *fiesgrins*
Unwählbar
Ich möchte darauf hinweisen, dass Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen beide CDU sind.
Die zwei alleine sind ja schon der Grund, warum man den Verein mal so gar nicht wählen darf. Von der Merkel reden wir mal nicht, die nimmt ja eh keiner wahr. Ihr Affenstall da macht ja was er will. Andere nennen es auch Kabinett.
Heute im Angebot: Ein Bundesinnenminister, der das nicht so richtig verstanden hat, wozu wir ein Bundesverfassungsgericht haben.
Das prüft nämlich nach, ob Gesetze, die die Minister so erlassen, verfassungskonform sind. Der Herr Innenminister Schäuble ist wohl ziemlich angefressen derzeit, weil er mehrfach mit der Pfote in der staatlichen Überwachungsbonbondose angetroffen wurde und die Richter ihm dafür ordentlich eins auf die Finger gehauen haben. „Das darfst du nicht, dass verstößt gegen die Grundpfeiler unseres Staates“.
Und anstatt, dass er wie jeder ertappte Schuljunge, zu Boden guckt, verlegen mit den Reifen scharrt und sagt: „Na gut ich machs nicht mehr“ geht dieser Innenminister, der den Staat und seine Ausprägung schützen soll hin, und fordert mehr oder weniger die Abschaffung dieses Instrument des Bürgers gegen einen übermächtigen Staat.
Leute, solltet ihr wirklich damit geliebäugelt haben, die CDU zu wählen, fragt euch ernsthaft, ob man solche Leute, denen das Wort „Rechtsstaat“ definitiv zuwider ist, wählen kann.
Naja, und die von der Laien demontiert sich grad selbst. Aber da sind echt Dummheit und Frechheit gepaart – sowas brauchen wir noch nicht mal auf der Hinterbank.
Blogosphäre vs. Journaille
1:0 würde ich sagen.
Während in den Blogs genau das richtige gefordert wird und die überwiegende Mehrheit durchaus sachlich über Winnenden bloggt, ist sich der Spiegel nicht zu schade, das widerlichste Titelbild einzustellen, dass ich zu dem Thema bislang gesehen habe.
Berücksichtigt man, dass inzwischen die meisten ja wohl wissen dürften, dass es diesen Tätern ausschliesslich um die Selbstdarstellung geht, sie also Aufsehen WOLLEN, hat Tim K. sein Ziel zu 100% erreicht.
Da wird sich überschlagen mti der nächsten vermeintlichen Sensation. Da wird etwas gefunden, nicht weiter recherchiert und in der nächsten „Eilmeldung“ dann das Gegenteil verkündet.
Diese Medien haben ihr widerlichstes Gesicht gezeigt – sämtliche Printmedien haben sich als sensationsgeil geoutet. Es geht ihnen nicht um die Opfer. Es geht nicht um Betroffenheit. Es geht nur darum, wer den nächsten „Coup“ macht.
Die richtigen Fragen wurden nicht eine Sekunde gestellt.
Ich halte jede Wette, dass in dem Moment, wo rauskam, dass jemand durchgeknallt ist, der erste Redakteur schon den „Rechercheauftrag“ rausgegeben hat: „Guck mal, was mit Killerspielen ist“ – anders ist das nicht zu erklären, wieso der Rechner noch nicht mal angeguckt wurde von der Polizei, aber schon die Meldung über den Äther ging, dass er die achsobösen Killerspiele drauf hatte. Woher wollten die das wissen? Direktzugriff auf die Festplatte?
Der einzige Ort, den ich sehe, wo einigermaßen unaufgeregt die richtigen Fragen gestellt werden, ist die sog. Blogosphäre. Hier werden Fragen gestellt, wie z.b. Warum ist es unbedingt notwendig, 4600 Schuss Munition im Haus zu lagern (das scheint bei Sportschützen durchaus üblich zu sein)? Wieso muss man 15 Schusswaffen im Haus haben? Wozu muss man überhaupt Waffen in Privatbesitz haben?
Wo ist das Problem, den Vereinen aufzugeben: „OK, ihr könnt ja gerne weitermachen, aber doch bitte: Bewahrt die Waffen im Vereinslokal auf. Sichert das entsprechend mit Einbruchmeldeanlage und Tresoren, aber privater Waffenbesitz zu Hause kommt nicht in die Tüte“.
Wo ist das Problem, die Strafen für unachtsamen Umgang mit Schusswaffen eklatant zu verschärfen?
Waffen gehören nicht in Privatbesitz. Punkt. Aus. Ende.
Fahrradfahren
Zur Abwechslung mal ein ernstes Thema.
Fahrrad fahren.
Ich hab mir so einen Blechesel mal zugelegt. Es sind ja nur knapp 1,5 km zur Arbeit und da bin ich mit dem Ding einfach schneller unterwegs und vor allem kann ich auch was transportieren.
Mein kleiner Blechkamerad hat Vollausstattung: Fahrradkorb am Lenker, hinten am Gepäckträger und nen Sattel, auf dem man sogar sitzen kann. Beim ersten Probefahren sind die Reifen auch nicht geplatzt, also wars meins 🙂
Mit der Zeit kam dann die Erkenntnis, dass Fahrräder keine Dächer haben. Seither hab ich ne Regemütze. Sieht zwar völlig bescheuert aus, aber ich bleib halbwegs trocken. Jawollja.
Aber Fahrradfahren macht Spaß. Inzwischen bin ich stolz wie Oskar, mit was für einem Affenzahn man so unterwegs sein kann und das mit eigenen Beinen. Man ist auch viel schneller zu Hause. Und hat Einkäufe und alles dabei.
Naja.
Und inzwischen brauchen die Jogger auch echt lange, um mich zu überholen und die Sanitäter vom letzten mal haben das bestimmt nicht so gemeint, als die mir ne Sauerstoffmaske angeboten haben….
😉
Qualitätsjournaille
Man muss sich das wirklich mal in aller Ruhe durch den Kopf gehen lassen:
Der PC von Tim K. ist noch nicht ausgewertet.
Der Junge war psychisch krank.
Der Vater des psychisch kranken Jungen hat ihm Waffen in die Hand gegeben und ausgebildet.
Es lagen offenbar 4600 Schuss Munition im Haus rum. Genug, um einen kleinen Krieg anzuzetteln, wie wir ja gesehen haben.
Die Waffen waren auch offenbar ungenügend gesichert, sonst wär der da nicht rangekommen. Ich erinnere mich z.b. an meinen Schwiegervater, der die Regelungen _sehr_ ernst genommen hat. An SEINE Waffen kam keiner ran. Die waren verschlossen, nur er kannte die Kombination und als er tot war, gabs ein ziemliches Theater wegen der Dinger, weil keiner rankam und der Stahlschrank wirklich ne gute Qualität hatte. Das Schloss war auch nicht mal eben in 2 min. geknackt. Der Schlüsseldienst musste sich da mit einem Schneidbrenner reinfressen. Diese Sicherungen hielt der Vater von Tim K. auch angesichts eines psychisch labilen Jungen wohl nicht für nötig. „Der tut nix, der will nur spielen“.
Und was macht die Presse und unsere „Qualitätsjournaille“?
Meldet in vorauseilendem Gehorsam, dass man doch das böse Counterstrike gefunden hätte. Die Meldungen, dass die USK verschärft werden muss, dass die nichtsahnende Bevölkerung vor bösen Killerspielen geschützt werden muss, die überschlagen sich gerade.
Allen voran Stern und, wie fefe es ausdrückt, dass ehemalige Nachrichtenmagazin, dass von den großen Boulevardblättern wirklich kaum noch zu unterscheiden ist. „Recherchiert“ wird in Twitter, StudiVZ, SchülerVZ. Es wird auf Teufel komm raus aus irgendwelchen Foren abgeschrieben und dann in Sekundenbruchteilen an die Nachrichtenagenturen weitergegeben.
Und dann hat ein Reporter vom Stern auch noch die Frechheit, Twitter genau dessen anzuklagen, dessen sein eigenes Blatt (und die vieler anderer) sich schuldig machen: Verletzung des Presserechts.
Garniert mit etwas, was Stefan Niggemeier zu Recht die dümmste Fotostrecke ever bezeichnet.
PFUI.
Sowohl was die Politiker betrifft, die ja nicht schnell genug wieder den Hilfssheriff spielen können und so schnell wie möglich versuchen, von den dringend anstehenden gesellschaftlichen Fragen wieder zu „Killerspielen“ zu schwenken. Und die Journaille, die sich wirklich mal selbst dabei zusehen sollte wie sie arbeitet. Wi-der-lich.
Und unprofessionell. Da fragt doch tatsächlich ein Journalist in der Pressekonferenz nach der SCHUHGRÖSSE des Täters. Äh, hallo? Noch alles frisch? Hat der mit den Füssen geschossen oder was?
Killerspiele
Ich sitze hier fauchend und innerlich laut schreiend vor dem PC. Das kann doch alles nicht wahr sein.
Da beschließt ein 17jähriger Junge, sein Leben einfach mal wegzuwerfen. Und das von 16 anderen Menschen mit.
Und was ist schuld?
Laut Beckstein und mehrerer Presseorgane na-tür-lich die Killerspiele. Was auch immer man darunter verstehen mag.
Herr Beckstein, der unerreichte Meister der Einfachheit.
Der SWR hat dann auch gleich den Amoklauf mit Killerspielen verknüpft. Und das, obwohl die Auswertung des PCs noch gar nicht stattgefunden hat.
Die sind da noch bei – woher wissen die denn, dass der „Killerspiele“ gespielt hat.
Werter Herr Beckstein, immer reflexartig „Killerspiel“ zu rufen, wenn einer durchdreht, geht am Kern des Problems vorbei.
Warum wirft ein 17jähriger sein Leben weg? Warum sieht er keine Perspektiven? Wie kann es sein, dass er soviel Wut ansammelt, dass er so explodiert? Wie kann es sein, dass der Vater mehr Schusswaffen im Haus hat als die Bundeswehr im Hauptarsenal? Und mehr Munition als die in Afghanistan gerade in einer Woche verballern?
Herr Beckstein, ich hätte gerne mal darauf eine gute Antwort. Und – oh Wunder: KEINE Verschärfung von Waffengesetzen. Persönlich würde ich sie zwar liebend gerne ganz verbieten, denn Waffen braucht man nicht, aber mit einer Verschärfung von Waffengesetzen erreicht man nichts. Und einer, der durchdrehen will besorgt sich dann halt ne illegale Waffe.
Aber man sollte wirklich diesmal hingehen und ZUHÖREN was der tote Junge sagte. Warum er das ganze macht. Bitte mal lückenlos aufklären und die entsprechenden Konsequenzen ziehen.
Übrigens:
Killerspiele töten keine Menschen.
Waffen schon.
Fassungslos
Was geht in einem 17jährigen vor, der sich eine Knarre nimmt und 16 Leute erschießt? Was treibt ein Kind in seinem Alter dazu, sowas zu machen?
Hoffentlich werden endlich die richtigen Fragen gestellt. Und die richtigen Antworten gefunden…
Tauss III
Hmmmmm….
Fefe ist ja nun nicht gerade unbekannt. Wer das Blog nicht kennt, stöbert mal drin. Schönes Ding. 🙂
Und sein Blogeintrag ist eigentlich nicht von schlechten Eltern. Offenbar läuft da gerade ein Politkrimi erster Klasse ab, wo der Protagonist elegant mundtot gemacht werden soll, weil unbequem.
Ich hoffe nur, dass der Schuss nach hinten losgeht und wir mit einem Schlag von der Leyen, Schäuble, Zypries und Merkel los sind. Wer braucht die eigentlich? Achso, den wichtigsten hab ich fast vergessen: Den unsäglichen Steinmeier.
Allmählich bin ich für Westerwelle for Bundeskanzler. Der ist zwar meiner Meinung auch nicht ganz dicht, aber wenigstens wirds bei dem nicht langweilig.
Kurze Auflistung der beiden Kracher:
1. es wurde eine MMS verschickt von Tauss‘ Nummer. MMS-Absender sind fälschbar, das ist nicht weiter schwer. Tauss benutzt im übrigen ein iPhone – und das kann keine MMS. Ahja.
2. Der Vorsitzende des Immunitätsausschusses ist der Schwiegersohn von Wolfgang Schäuble. Der Schwiegersohn, der bei einem CDU-Mitglied unter Kinderporno-Verdacht die Immunität NICHT aufgehoben hat. Der Schwiegersohn, der auch Vorsitzender des Wahlausschusses ist, das mal eben die Bedenken zu den Wahlmaschinen vom Tisch gefegt hat. Genau der. Ahja.
Ich fühle mich mehr und mehr unwohl mit unseren Führungs“eliten“. Sie vertreten nicht mehr mich als Bestandteil des deutschen Volkes, sondern nur noch Eigeninteressen. Es werden krude Projekte durchgedrückt, die zum Ziel haben, mich als Bürger mundtot zu machen und die Kritik im Keim zu ersticken. Ich soll minutiös überwacht werden um bei der geringsten Verfehlung dann…ja was? Hab ich dann auf einmal auch eine KiPo-DVD im Postkasten und eine Hausdurchsuchung? Einen Online-Trojaner auf dem Rechner, weil ich mich kritisch über die Gehilfen des Polizeistaates geäußert habe? Komme ich nach Guantanamo?
Mir wird unwohl. Aber die Schnauze halt ich trotzdem nicht. Es wird die meisten nicht jucken, was ich sage, dafür ist das Blog hier auch zu klein (und ehrlich gesagt, auch zu polemisch, aber ich bin schließlich ich. Und ich schimpfe gerne).
Aber der Teufel soll mich holen, wenn ich das Maul halte, weil ich vor den Überwachern Angst bekomme.
Wie kann man als Bürger eigentlich nachhaltig diesen Leuten das Handwerk legen?
Viele Fragen….
Ich beobachte gerade die Berichterstattung um Jörg Tauss sehr genau. Und wenn ich mir die Berichte so durchlese, stellen sich mir viele Fragen. Und – nicht nur mir.
Wieso wusste die Presse, namentlich SpOn, so früh über die Hausdurchsuchung Bescheid? Die müssen das kurz nach Aufhebung des Immunitätsschutzes für Tauss gewusst haben. Wer waren die Informanten? Wieso haben die die Ermittlungsakten und können offenbar stellenweise wortgetreu daraus zitieren?
Reichen (nach den bisher bekannt gewordenen Informationen) die Beweise für eine Verurteilung aus?
Meiner Meinung nach nein, darum hält sich die Staatsanwaltschaft auch so bedeckt und betont, dass er sich auch durchaus als unschuldig erweisen kann. Was haben die denn schon in der Hand (natürlich immer vorausgesetzt, dass die Ermittlungsakten wirklich 1:1 in SpOn landen und gefiltert durch den Hetzfilter).
– eine offenbar kinderpornografische MMS. So what? Die Absender von MMS kann man ja na-tür-lich nicht faken. Genausowenig wie man Absendeadressen von Emails spoofen kann.
– eine SMS mit dem Inhalt „geil“ an das Handy des Hauptbeschuldigten. Angeblich von einem Handy, dass Tauss zugeordnet werden kann. Klar. Man kann das ja auch nicht manipulieren. Auch nicht bei Prepaid-Handys.
– eine DVD mit kinderpornografischem Inhalt, die Jörg Tauss zugeschickt wurde. Nochmal: so what? Was kann er für den Schrott, der ihm gegebenenfalls unverlangt zugeschickt wird?
Wenn das wirklich alles ist an Beweisen und wenn DAS ausreichen soll für eine Verurteilung, dann wird Zeit sich ein anderes Land zu suchen. Einen richtigen Rechtsstaat. Nigeria z.b. oder auch Nordkorea. China wär auch eine Lösung…
Meiner Meinung nach sehen wir gerade live und in Farbe, wie sich ein handfester politischer Skandal abspielt wo die Beteiligten jede Hemmung verloren haben. Es ist ja auch durchaus möglich, dass es gezielt aus der Szene lanciert wurde, um dem unliebsamen Kerl eins auszuwischen – und die Politik, die den Querdenker loswerden will, ist dankbar auf den Zug aufgesprungen.
Hinzu kommt seine Vita. Tauss hat sich immer für die Belange der Kinder eingesetzt. Für bessere Ermittlungsmethoden, um den Sumpf der Kinderpornografie endlich auszutrocknen und nicht nur ein Mäntelchen namens Sperrliste drüberzuhängen.
Ausgerechnet dieser Mann soll jetzt die, die ihm am Herzen liegen, missbraucht haben? Jede Erfahrung, die ich gemacht habe, sagt nein. Ich kann mich natürlich täuschen und es wäre nicht das erste mal, aber mein Bauch sagt: Das kommt immer noch alles zu passend.
Und was sieht man in der Presse? Alle stürzen sich wie die Aasgeier auf das vermeintliche Futter Jörg Tauss. Keiner (mit Ausnahme von Telepolis vielleicht) hinterfragt mal das eigentliche Ziel der Ermittlungen.
Das ist der eigentliche Skandal bei der Sache. Dass die Presse, deren Aufgabe es wäre, solche Sachen aufzuklären, gepflegt in vorauseilendem Gehorsam die Fresse hält und schön auf Tauss rumhackt. Hauptsache, man hat eine Schlagzeile und kann jemanden fertigmachen.
Bin ich die einzige, die sich den alten Spiegel zurückwünscht? Den gedruckten. Das linke Kampfblatt, dass einst sogar Franz-Josef Strauss das Fürchten lehrte, dass die Vorgänge um die Neue Heimat anprangerte. Unter einem Rudolf Augstein hätte sich SpOn eine derartige, Bildzeitungshetzjagd nicht getraut. Und wenn doch, dann wären die zuständigen Chefredakteure achtkantig geflogen. Der Fusstritt hätte noch Jahre später geschmerzt.
Wie gesagt, es mag sein, dass ich mich irre. Es mag sein, dass ich mich in Herrn Tauss täusche, dass er wirklich der Schurke mit Biedermanngesicht ist. Aber ehrlich – ich glaubs nicht.
Ich mein, das Argument „Siehste, der stärkste Kritiker an Kinderpornosperren ist selbst KiPo-Konsument, der wollte doch nur seine Quellen offenhalten“ liegt jetzt zu nahe. Und es befördert sämtliche Kritiker, die auch aus guten Gründen gegen die Liste sind, in die Nähe von Pädophilen, die nur ihr „Hobby“ schützen wollen.
Die eigentlichen Gründe – dass die Sperre nur zu Zensurzwecken und als Deckmäntelchen taugt, jedoch als wirksames Mittel zur Bekämpfung von dem Dreck völlig untauglich ist, DER Grund wird jetzt leider völlig in den Hintergrund treten.
Und traue ich einer von der Leyen zu, so intrigant zu sein, dass sie genau das Szenario für sich nutzen würde?
Ja. Uneingeschränkt.
Wie ruiniert man eine politische Karriere
Jörg Tauss ist unbequem. Jörg Tauss ist gegen den Überwachungswahn, gegen Ursula von der Leyens dämliche Sperrliste und gegen eine ganze Reihe von hanebüchenen Vorhaben, die die Grundrechte der Menschen dieses Landes außer Kraft setzen sollen.
Er bremst die Mächtigen.
Und jetzt – plötzlich – hat er ein Ermittlungsverfahren wegen Kinderpornografie am Hals.
Der Mann, der sich gegen die Sperrliste wehrt, soll Kinderpornografisches Material auf seinen PCs haben? Und mit einem Kinderpornohändler engeren Kontakt halten und ihm auch noch entsprechendes Material via MMS übersandt haben?
Die SPD hats tierisch eilig, ihn ins Abseits zu schieben. Die Ermittlungen sind noch nicht mal richtig angelaufen, aber hauptsache, die Immunität ist erstmal weg und man fordert ihn inzwischen auf, das Mandat zurückzugeben.
Der Druck wächst – alles natürlich nicht vorverurteilend, aber schafft uns doch den Kerl vom Hals, ja?
Postulieren wir doch mal im Rahmen einer Verschwörungstheorie:
Es wird ein Handy auf den Namen Tauss angemeldet. Prepaid. Die Hürden sind da nicht exorbitant hoch. Mit dem Handy spielt man ein paar eindeutige SMS und MMS auf das Handy des Beschuldigten. Der schickt was zurück und eine DVD an Herrn Tauss. Ich nehme mal an, dass er soviel Post bekommt, dass er nicht jede zugeschickte DVD sofort anguckt.
Was mich sofort stutzig macht: Wieso ist das von ZWEI Handys ausgegangen? Das ist unlogisch, wäre Herr Tauss das, was er sagt, hätte er wohl ein anonymes Handy gehabt, für die Kontakte mit dem Beschuldigten (der auch noch nicht verurteilt ist), und eins, das auf sich zeigt. Ich unterstelle dabei mal, dass Herr Tauss weiß, was er tut.
Ein kinderpornografisches Video per MMS an das Handy senden. Klingelts da noch bei jemandem? Klärt mich mal einer auf – wie grobpixelig ist sowas und kann man da überhaupt was drauf erkennen? Oder macht da einer aus einem Urlaubsvideo ein KiPo-Vid? Soweit ich weiß, ist bei MMS die Größe begrenzt, und entweder man hat gute Qualität für 2 sek Video oder eine schlechte für 10 sek.
Und weil man das übliche Geseiere bei dem Thema ja immer drunterschreiben muss, sonst wird einem ja werweißwas untrestellt:
Kinderpornografie ist aus gutem Grund strafbar und ich bin mehr als dafür, die Täter aus dem Verkehr zu ziehen. Aber bitte: DIE TÄTER. Was die Schnepfe von der Leyen vorhatte, war völlig bescheuert, aktionistisch und überhaupt nicht zielführend. Man trocknet den Sumpf nicht aus, indem man Webseiten sperrt. Bitte die Server (laut CCC steht ein ganzer Haufen übrigens in Deutschland, ist ja nicht so als käme man an die Täter nicht ran, wenn man sich auf den Arsch setzt und seine Arbeit macht) ausfindig machen, aus dem Verkehr ziehen und die Leute ranziehen, die die Dateien hochgeladen haben.
Aber bitte nicht immer beim Konsumenten ansetzen – DIE kann man sich packen, wenn man die Täter hat.
Denn wenn es jemandem ernst ist, die Kinder zu schützen, setzt er genau da an: Bei den Tätern. Ein verhafteter Konsument bedeutet genau kein Deut weniger Leid. Ein verhafteter Täter hingegen rettet unzählige Kinder.
Genau das war es, auf das Herr Tauss immer und immer wieder hingewiesen hat. Und um das mal richtig zu honorieren, hat man ihm als Datenschutzbeauftragten z.b. bereits abgelöst, der jetzige Beauftragte der SPD-Fraktion sollte sich nicht so querstellen bei den ganzen „Sicherheitsgesetzen“.
Die andere Möglichkeit ist natürlich die: Herr Tauss kämpft seit Jahren gegen Kinderpornographie (wenn ihm der Grundgesetzabbauminister Schäuble die Zeit dazu läßt) und ist in der „Szene“ wohl schon etlichen auf die gierigen, skrupellosen Füsse getreten.
Ein Racheakt ist durchaus denkbar, zumal die KiPo-Industrie sich die Pfoten reiben dürfte, wenn die Filterliste durchkommt – werden doch offensichtlich die meisten „Produkte“ entweder unter der Hand verkauft oder aber per Direktdownload z.b. via Filesharing getauscht. Eine Filterliste dürfte die meisten Leute einen feuchten Scheiß interessieren, aber da man „ja was gemacht hat“ und „den Sumpf mit der Filterliste austrocknet“ ist die Chance groß, dass man danach weitgehend unbehelligt weitermachen kann. Das Thema ist ja dann ausgekocht und vom Schirm runter.
Die Sache hat ein fieses „Geschmäckle“. Mir kommts eher so vor, als sollte ein unliebsamer Kritiker und kompetenter Anwalt für missbrauchte Kinder mundtot gemacht werden anstatt dass hier ein Kinderpornohändler aufgeflogen ist.
Es ist einfach zu passend, den Herrn Tauss jetzt so hinzustellen, als hätte er sich nur gegen die „sinnvollen“ Schutzmaßnahmen für Kinder gewehrt, weil er selbst was zu verbergen hat. Zuviele von der falschen Seite gewinnen gerade und viel zu viele sind zu schnell nach oben gerudert und haben Konsequenzen für unbewiesene Behauptungen gefordert, als dass das ganze mit rechten Dingen zugeht.
Wohlgemerkt: Die Aufhebung der Immunität stand bei Herrn Kohl, Herrn Schäuble und anderen im Rahmen der CDU-Spendenaffäre, die ja auch wunderbar im Sand versickert ist, nie zur Debatte.
Seltsam, wie schnell sowas gehen kann, wenn jemand hinderlich ist….
Lynchstimmung
Was hat diese hohle Frucht von Landrat eigentlich erwartet?
Die Lynchstimmung steigt – und die Familie des Bruders, die mal gar nix dafür kann, wird gleich mit reingezogen.
Aber die Ausrede ist geil: „Die Boulevardpresse ist auf ihn angesprungen und ich wollte in sachlichem Ton die Mitbürger warnen, bevor die Presse das tut“.
Biedermann läßt grüßen.
Es ist zum Brechen mit den anständigen Bürgern…
Und Boulevardpresse – wer braucht bitteschön sowas?
Unbehagen
Ich stelle mal zwei Meldungen gegenüber, die vordergründig nicht viel miteinander zu tun haben:
Wie gesagt, vordergründig.
Im ersten Artikel äußert ein Landrat, als Mitglied der Legislative, „Unbehagen“ über die Entscheidung eines Gerichtes (Judikative), einen Straftäter nach Verbüssung der Strafe „laufen zu lassen“.
Nach allem was ich weiß, ist der Mann tatsächlich gefährlich. Aber kann es Aufgabe eines Landrates sein, den Mann „präventiv“ in die Enge zu treiben? Wohl kaum.
Es gibt Überwachungsmöglichkeiten, die man – natürlich – weniger medienwirksam und diskreter, dafür aber wirksam einsetzen kann. Kost aber wieder Personal, und da haben die meisten Polizeibehörden viel zuwenig von.
Anderes Unbehagen ist: Wenn sich der Mann so bereitwillig „aus guten Gründen“ über Recht und Gesetz hinwegsetzt, wenn er sich anmaßt, es besser zu wissen als die Gerichte, wie weit ist es mit seiner Verfassungstreue und Gesetzestreue bei anderen Straftaten bestellt? Gut, er ist Wahlbeamter und hatte wohl mehr als offensichtlich die nächste Wahl im Auge. Aber darf man einen Menschen, egal wieviel er falsch gemacht hat, auf dem Altar der Wiederwahl opfern? Was zeichnet einen Politiker aus, der solches tut? Wieso sollte man so einen wählen?
Ich erwarte von den gewählten Volksvertretern in meinem Staat in erster Linie eins: Sie sollen das Recht achten und die Richter. Wenn sie mit einem Urteil nicht einverstanden sind, erwarte ich, dass sie es trotzdem achten und nach diesem Urteil im Rahmen ihrer Möglichkeiten handeln. Ist ja nicht so, als hätten sie keine. Aber selbstherrlich über das Recht hinwegsetzen ist das allerletzte.
Und damit kommen wir zur zweiten Meldung. Was ist denn, wenn ein „anständiger Mitbürger“ diesen „Dreck“ von den Straßen haben will und ihn einfach mal umbringt? Vielleicht noch im „Affekt“ weil er mit einer jungen Frau geredet hat und er glaubte, dass er sie gleich vergewaltigen will?
Wie handelt der Landrat denn dann? Wird er dann noch die Chuzpe haben und sich hinstellen und sagen „ich hab das doch nicht gewollt, ich wollte doch nur die Leute „in sachlicher Stimmung“ warnen.“
Eine derartige Warnung sorgt für eine aufgeheizte Stimmung und für Lynchjustiz. Wenn selbst ein Landrat offenbar keine Skrupel hat, sich über Recht und Gesetz hinwegzusetzen, wieso soll der „einfache Mann“ auf der Straße nicht mal das Recht in die eigene Hand nehmen und dem aufrechten Sheriff in grün zur Hilfe eilen? Das ganze noch gewürzt mit ein bisschen Märtyrertum („ich tue es, damit die Welt von einer Bestie befreit wird“) und schwupps, der nächste Tote.
Das ist es nicht wert. Wir leben in einem Land, in dem bestimmte moralische Grundsätze gelten und wo ein gewisses Übereinkommen herrscht, wie der Staat mit den Mitgliedern der Gesellschaft umzugehen hat.
Dass der Mann evtl. tatsächlich in Sicherungsverwahrung gehört, steht übrigens auf einen völlig anderen Blatt und eigentlich noch nicht mal zur Diskussion. Aber der Fisch stinkt in dem Fall vom Kopf her: Das hätte viel früher eingeleitet werden müssen. Es ist ja nicht so, dass die Herrschaften Staatsanwälte nicht wüssten, was zu tun ist. Da hat eine ganze Reihe von Leuten tief gepennt. Es gibt Verfahren mit denen die Sicherungsverwahrung auch nachträglich angeordnet werden kann.
Aber dieser Fehler der Justiz bietet diesem mediengeilen, machtgeilen und nach Wiederrwahl schielendem Landrat meiner Meinung nach eine willkommene Plattform, seine Vorstellungen von Recht und Unrecht auszuleben. Und ich wiederum fühle mich an Heinrich Mann erinnter. Der Untertan.
Wir haben schon zuviele von diesen Leuten. Wir müssen sie nicht noch ermutigen.
Nachruf
Ich stehe hier und weiß nicht so richtig, was ich sagen soll.
Ein guter Bekannter starb vor 2 Tagen an einem Herzinfarkt.
Die ersten Gedanken waren:
Verdammt, er war noch nicht so alt. Er hat doch sein Leben gerade erst in den Griff bekommen. Und seine Kinder (und sein Enkelkind, oh Himmel, das ist doch noch ganz frisch…) doch auch. Nicht er. Nicht jetzt.
Ochmönsch, Klaus, du stehst doch noch mitten im Leben. Und wirst gebraucht, da kannst du doch nicht einfach alles hinschmeißen und gehen. Was macht denn deine Frau jetzt ohne dich?
Ich kann dir nur Respekt dafür zollen, wie du dein Leben in den Griff bekommen hast. Ich kann es dir nur nicht mehr sagen 😦
Leb wohl, mein Freund.
Du schipperst jetzt auf anderen Meeren.
Gefüllt sind sie mit den Tränen derer, die du zurückgelassen hast.